Ärzte Zeitung online, 05.04.2011

Tepco kämpft mit Floß gegen verstrahlte Wassermassen

Tepco kämpft mit Floß gegen verstrahlte Wassermassen

An der Atomanlage Fukushima wissen die Arbeiter nicht mehr, wohin all das Wasser soll. Ein Teil davon wird weiter kontrolliert in den Pazifik geleitet. Hilfe sollen nun auch neue Tanks bringen - unter anderem in Form eines speziellen Floßes.

TOKIO (dpa). Ein Tankfloß, Spezialschiffe, ein Netz im Meer: Mit immer neuen Methoden versuchen die Helfer an der Atomanlage Fukushima, die Strahlensuppe abzufangen.

Am Dienstag setzte sich ein Tankfloß in Bewegung. Es soll später bis zu zehn Millionen Liter an radioaktiv verseuchtem Wasser aufnehmen.

60 Millionen Liter im Keller der Reaktorgebäuden

Der Kraftwerksbetreiber Tepco braucht dringend Auffangmöglichkeiten für das Wasser, das zum Kühlen in die Gebäude geleitet wurde und sich dort nun angesammelt hat.

Die Behörden gehen davon aus, dass inzwischen 60 Millionen Liter der Brühe im Keller der Reaktorgebäude sowie in unterirdischen Kanälen stehen. Das Wasser behindert die Bemühungen, die Atomruine in den Griff zu bekommen.

Spezialschiffe und Tanks sollen helfen

Hilfe versprechen sich die Arbeiter auch von Spezialschiffen der US-Marine sowie von behelfsmäßigen Tanks. Außerdem ist die Rede von einem Zaun, der im Meer vor Fukushima verhindern soll, dass sich vergiftetes Wasser unkontrolliert im Pazifik ausbreitet.

Der Kraftwerksbetreiber Tepco pumpt derzeit leicht belastetes Wasser in den Ozean, um in Tanks Platz für wesentlich stärker verstrahltes Wasser zu schaffen.

Wasser in Pazifik geleitet

Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, strömten bis Dienstagmittag japanischer Zeitrund 3,4 Millionen Liter belastetes Wasser in den Pazifik. Insgesamt sollen 11,5 Millionen Liter abgelassen werden.

Regierungssprecher Yukio Edano verteidigte erneut die Aktion, die am Montag begonnen hatte und voraussichtlich bis zu diesem Wochenende dauern soll. Sie sei nötig, damit nicht stärker strahlendes Wasser ins Meer gelange.

Tankfloß kommt aus Yokohama

Die Arbeiter in der Atomruine stehen vor einem Dilemma: Sie leiten Wasser zum Kühlen der Reaktoren in die Kraftwerksgebäude, wissen dann aber nicht, wohin damit. Helfen soll unter anderem das Megafloat genannte Tankfloß.

Es wird zunächst in eine Werft in der Tokioter Nachbarstadt Yokohama gezogen. Dort soll es für den Einsatz an der Atomruine umgebaut werden, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete.

Verseuchtes Wasser strömt aus Leck

Das stählerne Tankfloß werde voraussichtlich nach dem 16. April in Fukushima eintreffen. Es ist 136 Meter lang und 46 Meter breit. Bisher diente es im Hafen der Stadt Shimizu in der Provinz Shizuoka als schwimmende Insel für Angler.

An der Atomruine kämpft das Unternehmen außerdem weiter gegen ein Leck, aus dem unkontrolliert hoch radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer strömt.

Jod-Konzentration um das 7,5 Millionenfache erhöht

Das Wasser stammt vermutlich aus Reaktorblock 2, in dem die Brennstäbe teilweise geschmolzen waren. Eine Messung am Samstag ergab, dass die Jod-Konzentration im Meer vor Reaktor 2 um das 7,5 Millionen-fache über den zulässigen Grenzwerten liegt.

Das berichten japanische Medien unter Berufung auf den Kraftwerksbetreiber Tepco.

Bemühungen zum Stopfen zeigen Wirkung

Die Bemühungen, das Leck zu schließen, zeigen erstmals Wirkung. Die Menge an austretendem Strahlenwasser habe sich "ein wenig" verringert, berichtete die Nachrichtenagentur Jihi Press am Dienstag unter Berufung auf den Energiekonzern.

Arbeiter hatten nach mehreren gescheiterten Versuchen 1500 Liter Flüssigglas in den betreffenden Kabelschacht gefüllt. Die Chemikalie soll dafür sorgen, dass das unkontrolliert ins Meer strömende Wasser gestoppt wird. Versuche, das Leck unter anderem mit Beton zu verfüllen, waren zuvor gescheitert.

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