Ärzte Zeitung online, 11.04.2011

Schweres Nachbeben verzögert Arbeit an Atomruine

Das neue schwere Erdbeben wirft die Arbeiten am japanischen Katastrophen-Kraftwerk Fukushima Eins zurück. Nach langem Zögern weitet die Regierung die Sperrzone um die Atomruine aus und bringt somit noch viel mehr Menschen in andere Regionen.

Nachbeben legt kurzzeitig Kühlung im AKW Fukushima lahm

Die Arbeiten an der Kühlung der Reaktoren sind durch das Nachbeben für 50 Minuten unterbrochen worden.

© dpa

Nachbeben legt Kühlung im AKW Fukushima lahm

TOKIO (dpa). Das Beben vom Montagnachmittag japanischer Zeit, das laut dem National Earthquake Information Center (NEIC) eine Stärke von 6,6 hatte, hat die Arbeiten an der Atomruine Fukushima Eins erneut verzögert.

Die Sicherheitslage bleibe dabei unverändert, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo und berief sich auf die japanische Atomaufsichtsbehörde (NISA).

Bei den kritischen Reaktoren 1, 2 und 3 fiel demnach zeitweise die Stromversorgung aus. Das Einleiten von Kühlwasser wurde für etwa 50 Minuten unterbrochen.

Das radioaktiv verseuchte Wasser soll am Dienstag abgepumpt werden, entschieden die Experten. Wie Kyodo berichtete, haben die Arbeiter damit aufgehört, Stickstoff einzuleiten, um Wasserstoffexplosionen zu verhindern.

60.000 Tonnen Wasser in den Kellern der Reaktoren 1 bis 3

Um weiter an dem havarierten Atomkraftwerk arbeiten zu können, muss der Betreiber Tepco rund 60.000 Tonnen stark radioaktiv belastetes Wasser aus der Anlage pumpen. Es wurde in den Kellern der Reaktoren 1 bis 3 gefunden, die unter anderem wichtige Elektronik beherbergen.

Nach dem Beben und dem Tsunami war die Stromversorgung ausgefallen. Das Kühlsystem versagte. Seitdem wird dafür Wasser in die Anlage geleitet. Das nun verstrahlte Wasser erschwert jedoch die Bemühungen, die Anlage zu stabilisieren.

Am Montag sollte damit begonnen werden, das Wasser aus einem unterirdischen Abfluss in einen Ablagebereich im Turbinengebäude von Reaktor 2 zu füllen. Nach Angaben von NISA werde damit aber erst frühestens am Dienstag begonnen, wie Kyodo berichtete.

Kontaminiertes Wasser macht Probleme

NISA-Sprecher Hidehiko Nishiyama sagte, es sei extrem schwierig, einen Zeitplan aufzustellen. Es sei "noch keine Situation, die man optimistisch sehen kann". "Wir sind jetzt in dem Dilemma, dass wir Wasser sehen, das einerseits eingefüllt wird, um die Reaktoren zu kühlen, und andererseits an anderer Stelle in der Anlage als kontaminierte Wassermengen wieder auftauchen", sagte Nishiyama.

Medienberichten zufolge hatten die Arbeiter in der Ruine am Montagmorgen ihre Vorbereitungen fortgesetzt, die nötig sind, um das radioaktiv verseuchte Wasser schließlich abzupumpen. Zunächst sollten Behälter überprüft werden, aus denen seit dem 4. April nach NISA-Angaben rund 9070 Tonnen relativ schwach verstrahltes Wasser ins Meer abgeleitet wurde.

Die Arbeiter wollten sicherstellen, dass sich dort keine Reste mehr befinden. Nach dem Beben mussten sie das Kraftwerk jedoch zeitweise verlassen.

Evakuierungszone wird ausgeweitet

Die Regierung hatte zuvor die Evakuierungszone um die Atomruine auf mehrere Gemeinden außerhalb des bestehenden 20-Kilometer-Radius ausgeweitet.

"Wir haben den Einfluss radioaktiven Materials auf die menschliche Gesundheit bei dieser Entscheidung mit einbezogen unter der Annahme, dass Menschen in diesen Gebieten für sechs Monate bis zu einem Jahr leben", erklärte Regierungssprecher Yukio Edano.

In den betroffenen Regionen sind die Strahlenwerte erhöht. Das Risiko, dass weitere Strahlenlecks am Atomkraftwerk auftreten, hat sich nach Regierungsangaben allerdings verringert.

Die Bewohner sollen ihre Häuser verlassen, wenn die Strahlendosis in ihrer Gemeinde bei 20 Millisievert pro Jahr liegt. Dazu zählen aktuell die Orte Katsurao, Namie und Iitate, das etwa 40 Kilometer von Fukushima Eins entfernt liegt.

Nach Kyodo-Angaben sollen die betroffenen Bewohner innerhalb eines Monats in andere Regionen gebracht werden. Vor diesem Schritt hatte die Regierung sich lange Zeit gescheut - obwohl die Internationale Atomenergiebehörde IAEA und auch Greenpeace das schon vor Wochen gefordert hatten.

Greenpeace misst erhöhte Strahlung auf Spielplatz

Greenpeace hatte am Montag von deutlich erhöhten Strahlenwerten berichtet, die ihre Experten in bewohnten Gebieten rund 60 Kilometer von Fukushima Eins entfernt gemessen hätten.

Auf einem Spielplatz in Fukushima City fand ein Team demnach Werte von bis zu vier Mikrosievert pro Stunde. In der Stadt Koriyama seien es 2,8 Mikrosievert pro Stunde gewesen.

Laut Greenpeace ist das so viel, dass die maximal tolerierbare Dosis für die Bevölkerung von 1000 Mikrosievert pro Jahr in wenigen Wochen aufgenommen würde.

Mehrere leichte Beben folgten

Das Zentrum des schweren Erdbebens am Montagnachmittag japanischer Zeit lag in der Präfektur Fukushima, wo auch das havarierte Atomkraftwerk liegt. Auch in der Hauptstadt Tokio gerieten Häuser stark ins Schwanken.

Es folgten mehrere leichtere Schocks. Nach Informationen des Fernsehsenders NHK wurden zehn Menschen verletzt.

Messorte von Greenpeace.

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Yukio Edano (42)
[11.04.2011, 14:43:27]
Dr. Joachim Malinowski 
Wohin soll die Reise denn gehen?
Wenn ich Japaner wäre und Kontakte zu meinen Landsleuten in Deutschland hätte, dann wäre mein Reiseziel klar.
Nur wer kann sich das leisten? Und wie lange soll man von der Heimat und dem Arbeitsplatz fern bleiben?

Fazit: eine AKW-Katastrophe läßt sich mit ihren sofort entstehenden Auswirkungen n i c h t managen wie z.B. ein Solarkraftwerk oder ein Windpark oder ein Wasserkraftwerk.
Neben den sofortigen Opfern und Toten gibt es darüber hinaus sofort und immer eine radioaktiv kontaminierte Bevölkerung.

Dieser Langzeitschaden ist das eigentlich Schlimme, der den so oder so überlebenden Menschen ihre weitere Zukunft nimmt bzw. ruiniert.

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