Ärzte Zeitung online, 10.05.2011

Japan gibt offenbar Plan zum Ausbau der Atomenergie auf

Japan will offenbar seine Energiepolitik ändern und sich künftig weniger abhängig von Atomstrom machen. Zugleich wird der Betreiber der Atomruine in Fukushima hart unter Kontrolle genommen. Ohne staatliche Unterstützung kann der Konzern die horrenden Kosten nicht stemmen.

Japan gibt offenbar Plan zum Ausbau der Atomenergie auf

TOKIO (dpa). Japans Premier Naoto Kan hat angekündigt, die Energiepolitik zu ändern. Der Plan, den Anteil der Atomenergie von bisher rund 30 Prozent auf 50 Prozent bis 2030 aufzustocken, wird offenbar aufgegeben.

Die Energiepolitik werde von Grund auf überarbeitet, sagte Kan am Dienstag (10. Mai). Das Land werde künftig mehr Gewicht auf erneuerbare Energien legen.

Unterdessen beantragte der Betreiber der Atomruine von Fukushima, Tepco, offiziell Staatshilfe. Ohne die stehe Tepco schon bald vor dem Aus. Dies könne die Entschädigung der Opfer wie auch eine stabile Stromversorgung beeinträchtigen, hieß es.

Dass Tepco als Asiens größter Stromkonzern weiter funktionieren muss, ist nach Ansicht von Experten allein deswegen schon wichtig, damit der Großraum Tokio und damit das wirtschaftliche Zentrum Japans über den Sommer kommt.

Tepco benötigt über acht Milliarden Euro Staatshilfe

Für das laufende Geschäftsjahr benötige der Konzern allein zusätzlich etwa eine Billion Yen (8,6 Milliarden Euro) Staatshilfe, um Treibstoff für die Stromproduktion anzukaufen, heißt es in dem offiziellen Antrag des Unternehmens.

Industrieminister Banri Kaieda forderte Tepco im Gegenzug zu weiteren harten Einschnitten auf, damit die Steuerzahler so gering wie möglich belastet und eine Anhebung der Stromgebühren vermieden wird. Tepco kündigte an, seinen Managern die Gehälter noch weiter zu kürzen.

Voraussichtlich Ende der Woche will der Staat über einen Entschädigungsplan für die Opfer der Katastrophe entscheiden.

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Naoto Kan (35)
[11.05.2011, 14:36:22]
Dr. Joachim Malinowski 
Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung!
Jetzt muss man nicht kleckern, sondern mit den erneuerbaren Energien richtig klotzen. Da kann uns Japan mal zeigen, was sie technisch so drauf haben.

Wer jetzt richtig investiert, kann seine Zukunft auf viele Jahrhunderte sichern. Warum Deutschland sich immer noch ziert, ist mir nicht klar.

Lieber unverstrahlte Bewohner mit umweltfreundlichen Energien, ggf. auch mit Sparprogrammen, als ein verstrahltes Land und Menschen, die dann sowieso bald an den Folgen der Radioaktivität versterben und die dann in ihrer "volkswirtschaftlichen Produktivität" total ausfallen.

Ich hoffe, dass Japan mit den erneuerbaren Energien wirklich Ernst macht und damit mal ein positives Beispiel für die Welt gibt.

Es müssen dann die anderen Länder folgen. Technisch geht da sicher viel mehr, als die Politiker bisher behaupten.

Es ist eben alles eine Frage der Politik, die von uns Mitbürgern, nicht von AKW-Stromkonzernen gemacht werden sollte.
Letztere müssen jetzt erst einmal für den Schaden aufkommen, neues unverstrahltes Land zur Verfügung stellen, Häuser bauen, Familien entschädigen, Renten zahlen etc.!

Eine Frage bleibt unbeantwortet: Warum muss es immer erst zu vielen Opfern kommen, bis sich politisch ein Umdenken einstellt?
Bei weniger Opfern würde sicherlich auch jetzt noch nichts in die richtige Richtung gedacht werden.

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