Ärzte Zeitung online, 11.05.2011

Atomruine in Fukushima "noch lange nicht unter Kontrolle"

Aus der Atomruine im japanischen Fukushima tritt noch immer Radioaktivität aus. Experten warnen vor hohen Risiken bei Japans Bemühungen, die Lage zu stabilisieren. Das japanische Kaiserpaar besuchte die Unglücksprovinz und übergab angeblich Trostgelder aus eigenen Mitteln.

Atomruine in Fukushima "noch lange nicht unter Kontrolle"

Japans Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko überbrachten Trostgelder, angeblich aus ihren eigenen Mitteln.

© dpa

TOKIO (dpa). Zwei Monate nach dem ersten verheerenden Erdbeben und dem Tsunami in Japan ist die Gefahr einer weiteren Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi nicht gebannt.

Der Betreiber Tepco sieht sich jedoch auf dem Weg, die Krise zu lösen. Die bisher erzielten Fortschritte variierten aber je nach Reaktor, räumte ein Vertreter des Konzerns am Mittwoch (11. Mai) nach Angaben der Nachrichtenagentur Jiji Press ein.

Laut Greenpeace birgt die geplante Flutung des Atomreaktors 1 hohe Risiken. "Die strahlende Atomruine in Fukushima ist noch lange nicht unter Kontrolle", sagte Greenpeace-Experte Christoph von Lieven. Die Regierung kündigte an, das Tepco-Management zehn Jahre überwachen zu wollen.

Verstrahlte Arbeiter

In die Betonhülle um den Reaktordruckbehälter sollen 7400 Tonnen Frischwasser eingeleitet werden. Nach einem Gutachten des Londoner Ingenieurbüros Large Associates könne dabei der Sicherheitsbehälter brechen, teilte die Umweltschutzorganisation mit.

Unterdessen versuchen die Reparaturtrupps im Atomkraftwerk Fukushima weiter, die Reaktoren zu kühlen. Die Arbeiter sind derzeit weiter radioaktiver Strahlung ausgesetzt.

So seien Arbeiter, die das Reaktorgebäude Nummer 1 betreten hätten, um Messgeräte zu justieren und Verbindungsrohre zu überprüfen, einer radioaktiven Belastung von 0,64 bis 8,72 Millisievert ausgesetzt gewesen, gab Tepco am Mittwoch (11. Mai) bekannt.

Die Arbeiten waren nötig, um ein Ersatzkühlsystem zu installieren. Zudem seien Einstellungen an einem Druckanzeigegerät des Reaktorbehälters vorgenommen worden.

Arbeiten in Reaktor 2 liegen hinter dem Zeitplan

Experten warnen vor undichten Stellen in Reaktor 1. Tepco sei es bisher nicht gelungen, die Position der Lecks zu orten und zu klären, ob sie die Sicherheit des Betonmantels beeinträchtigen, kritisierte Greenpeace.

In einer Studie habe auch die amerikanische Atomaufsicht vor Gefahren gewarnt, die durch große Wassermassen in den Sicherheitsbehältern entstehen. Die Sicherheitsbehälter könnten demnach bersten, wenn es zu Erderschütterungen kommt.

Nach Angaben von Tepco kommen die Arbeiten im Reaktor 1 jedoch relativ gut voran.

Bisher sei jedoch niemand in der Lage gewesen, das Gebäude des Reaktors 2 zu betreten, berichtete Jiji Press weiter. Die Arbeiten am Reaktor 2, wo verstrahltes Kühlwasser abgepumpt wird, lägen hinter dem Zeitplan. Tepco entschuldigte sich erneut dafür, dass noch immer zigtausende von Anwohnern in Notlagern hausen müssen.

Kaiser wieder zu Besuch

Unterdessen reiste Kaiser Akihito mit seiner Gemahlin, Kaiserin Michiko, in die Unglücksprovinz Fukushima, um den Überlebenden Trost zu spenden und Mut zu machen. Nach Angaben des Haushofamts überreichten sie dem Gouverneur der Provinz Trostgelder aus ihren eigenen Mitteln. Damit ist das Monarchenpaar bereits zum fünften Mal in die Unglücksregion gereist, um den Opfern beizustehen.

Die Regierung will voraussichtlich noch an diesem Freitag über einen Gesetzesentwurf für den Wiederaufbau der Region entscheiden. Zudem erwägt die Regierung offenbar, das Kabinett um drei weitere Mitglieder aufzustocken, um die Bemühungen zu beschleunigen, die nötig sind, um die Katastrophe zu bewältigen. Dazu bedarf es einer Gesetzesänderung.

Um die horrenden Entschädigungszahlungen zu stemmen und die Versorgung mit Strom aufrechtzuerhalten, ist der Staat bereit, den Betreiber der Atomruine Fukushima mit Staatshilfe am Leben zu halten.

Dafür erklärte sich Tepco bereit, drastisch die Kosten zu senken. Außerdem darf das Unternehmen für die Zahlung von Entschädigung an die Opfer der Katastrophe nicht schon im Voraus Höchstgrenzen festsetzen.

Zum Special "Katastrophe in Japan"

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