Ärzte Zeitung online, 13.05.2011

Japan will Tepco vor Zusammenbruch retten

Aus der Atomruine Fukushima leckt weiter unablässig Radioaktivität. Ob der Betreiberkonzern Tepco das Atomkraftwerk wie geplant unter Kontrolle bringen kann, ist zunehmend fraglich. Die japanische Regierung will den Konzern jetzt vor dem finanziellen Kollaps bewahren.

Japan will Tepco vor Zusammenbruch retten

Keine leichte Zeit für die Tepco-Verantwortlichen, doch jetzt gibt es positive Nachrichten: Die japanische Regierung kündigte an, den Atomkraftbetreiber finanziell zu unterstützen.

© dpa

TOKIO (dpa). Mit einer Finanzspritze will die Regierung Japans den Betreiber des Katastrophenmeilers Fukushima vor dem Zusammenbruch retten.

Auf den Konzern Tepco kommen gewaltige Entschädigungszahlungen an die Opfer der Katastrophe zu. Medien beziffern die Höhe der Kosten auf möglicherweise mehr als 10 Billionen Yen (87 Milliarden Euro).

Bevor jedoch die Steuerzahler zur Kasse gebeten würden, sollten sich zunächst die Gläubiger von Tepco stärker an der Finanzierung zu beteiligen, sagte Regierungssprecher Edano. In Reaktion darauf gaben Bankaktien an Tokios Börse nach.

Reaktor 4 in Hamaoka heruntergefahren

Im zentraljapanischen Atomkraftwerk Hamaoka fuhr unterdessen der Betreiberkonzern Chubu Electric am Freitag (13. Mai) einen der beiden noch am Netz hängenden Reaktoren herunter. Nach Reaktor Nummer 4 soll am Samstag (14. Mai) Reaktor Nummer 5 folgen.

Die Regierung hatte Druck auf den Betreiber ausgeübt, da das Kraftwerk Hamaoka in der Region Shizuoka über einer geologisch kritischen Erdplatte liegt und bei einem weiteren Erdbeben ähnlich dem vom 11. März gefährdet sein könnte.

Die Reparaturtrupps in der Atomruine in Fukushima kämpfen verzweifelt gegen immer neue Rückschläge. Nachdem unerwartet stark beschädigte Brennstäbe in Reaktor 1 infolge von Wasserlecks entdeckt worden waren, begannen die Arbeiter am Freitag damit, ein Ersatzkühlsystem aus Wärmeaustauschern aufzubauen.

Krisenplan infrage gestellt

Es sei jedoch unklar, ob das weiter in die Reaktorhülle gepumpte Wasser so weit steige, dass es bis an die Rohre für das Ersatzkühlsystem reiche, meldeten Medien. Die Regierung stellt den Krisenplan des Betreibers Tepco bereits infrage.

Tepco hatte mitgeteilt, dass ein großer Teil der Brennstäbe im Reaktor 1 geschmolzen sei. Der Wasserstand zur Kühlung der Brennstäbe sei erheblich niedriger als erwartet.

Er erwarte, dass Tepco die Planung zur Stabilisierung der Reaktoren überarbeiten werde, sagte Industrieminister Banri Kaeda. Regierungssprecher Yukio Edano entschuldigte sich unterdessen, dass erneut hochradioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer gelangt ist. Tepco hat das Leck inzwischen nach eigenen Angaben wieder gestopft.

Tepco ließ seine Arbeiter trotz der neuen Rückschläge am Freitag mit den Vorbereitungen beginnen, das Gehäuse des Reaktors 1 mit einer Hülle zu überziehen. Die Arbeiten dazu sollen möglichst im Juni beginnen.

Tepco will Bedingungen der Regierung akzeptieren

Der Betreiber wird wegen der Katastrophe in diesem Geschäftsjahr voraussichtlich eine Billion Yen (8,7 Milliarden Euro) abschreiben müssen. Die gleiche Summe benötigt der Konzern, um Gas, Öl und Kohle für konventionelle Kraftwerke einzukaufen. Diese sollen die in Fukushima ausgefallenen Kapazitäten ersetzen.

Die Regierung will daher Tepco helfen, nicht unter der Last der Milliardenentschädigungen zusammenzubrechen. Der staatliche Rettungsplan für Tepco sieht vor, dass die Regierung der zu gründenen Finanzierungsgesellschaft unverzinste Anleihen zur Verfügung stellt.

Diese können jederzeit eingelöst werden, um damit Tepco mit Krediten zu versorgen. Darüber hinaus sollen andere Atombetreiber im Lande ebenfalls Mittel beisteuern.

Im Gegenzug für die Staatshilfe akzeptierte Tepco die Bedingung der Regierung, harte Sparmaßnahmen zu ergreifen. Zudem soll ein unabhängiger Ausschuss das Finanzgebaren des Konzerns überprüfen.

Unterdessen hat die Zahl der Todesopfer des Erdbebens und Tsunami vom 11. März die Marke von 15.000 überschritten. Noch immer werden 9500 Menschen vermisst.

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