Ärzte Zeitung online, 22.07.2011

Japan will verstrahltes Rindfleisch verbrennen

Japan will gesamtes, verstrahltes Rindfleisch aufkaufen und verbrennen

TOKIO (maw). Der Skandal um cäsiumhaltiges Rindfleisch aus der Präfektur Fukushima, das über den Grenzwert von 500 Becquerel je Kilogramm belastet ist, weitet sich aus. Auch wird inzwischen nicht ausgeschlossen, dass verstrahltes Fleisch ins Ausland exportiert wurde, wie japanische Medien berichten.

Wie die Japan Times in ihrem Online-Auftritt meldet, habe die Zentralregierung beschlossen, sämtliches über den gesetzlichen Grenzwert mit Cäsium belastetes Rindfleisch aufzukaufen und es anschließend zu verbrennen.

Inzwischen sei verstrahltes Reisstroh aus der Präfektur Miyagi auch in der Präfektur Tottori auf einer Farm sichergestellt worden. 200 bis 300 Rinder hätten das kontaminierte Reisstroh möglicherweise bereits gefressen.

Die radioaktive Belastung des Reisstrohs wird auf die Exposition im Zusammenhang mit der Havarie des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi im Nachgang zu dem Megabeben und Tsunami vom 11. März zurückgeführt.

Inzwischen sei das belastete Reisstroh, das als Futtermittel für Rinder genutzt wird, in 46 von 47 Präfekturen Japans gefunden worden. Welche Präfektur als einzige noch nicht betroffen ist, ist dem Bericht der Japan Times nicht zu entnehmen.

In der ebenfalls von der Natur- und Nuklearkatastrophe betroffenen Präfektur Iwate sei Reisstroh mit einem Cäsiumgehalt von 57.000 Becquerel je Kilogramm gefunden worden, das an Rinder auf fünf Bauernhöfen in den Ortschaften Ichinoseki und Fujisawa verfüttert worden war.

Etwa 437 Kilogramm Rindfleisch aus dem rund 30 Kilometer von dem Atomreaktor in Fukushima entfernten Minamisoma seien verzehrt worden. Mit Proben sei eine Belastung von bis zu 2300 Becquerel je Kilogramm nachgewiesen worden.

Das Gesundheitsministerium forderte derweil die Kommunen dazu auf, bevorzugt Rindfleisch, das bereits auf dem Markt ist, auf die radioaktive Belastung hin zu überprüfen. Hintergrund sei, dass von 1000 Rindern, die im Verdacht standen, verstrahlt zu sein, nur zehn Prozent getestet worden waren.

Mittlerweile habe die Regierung ein Handelsverbot für Rindfleisch verhängt, das von Anbietern rund um den havarierten Reaktor in Fukushima stammt. Die Präfektur Fukushima ist laut Japan Times die zehntgrößte Rinderzuchtregion in Nippon. Ob sich unter den rund 160 Tonnen Rindfleisch, die ins Ausland exportiert wurden, auch kontaminiertes war, sei ungewiss.

Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit gering, da die Abnehmerländer nach der Katastrophe vom 11. März die Einfuhrkontrollen für Fleisch und Lebensmittel aus Japan verschärft hätten.

Die Angst vor dem Verzehr radioaktiver Lebensmittel spiegelt sich auch in den Supermärkten wider. Wie die Wirtschaftszeitung Nikkei auf ihrem Online-Portal berichtet, hätten die Supermärkte allein im Juni einen einprozentigen Rückgang bei dem Absatz von Lebensmitteln verkraften müssen, wohingegen der Gesamtumsatz gegenüber Mai um 0,1 Prozent gewachsen sei.

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