Ärzte Zeitung online, 24.08.2011

Fukushima-Nachwehen: Kreditwürdigkeit Japans herabgestuft

Fukushima-Nachwehen: US-Ratingriese stuft Kreditwürdigkeit Japans herab

Mit der Herabstufung der Bonität Japans hat eine der führenden Ratingagenturen das große asiatische Industrieland abgestraft. Nach der Jahrhundertkatastrophe vom März kommt die Wirtschaft nur zögernd auf die Beine. Die Märkte reagieren nervös.

TOKIO (dpa/maw). Rückschlag für das von der Jahrhundertkatastrophe schwer gebeutelte Japan: Die große US-Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Japans herabgestuft. Die Bonität sinkt um eine Note von "Aa2" auf "Aa3", wie die Agentur am Mittwoch mitteilte.

Der Ausblick für die Bonität der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, die unter allen Industrieländern am höchsten verschuldet ist, bleibt aber "stabil". Es ist die erste Herabstufung für Japan seit neun Jahren.

Moody's begründete die Herabstufung mit Japans hohem Haushaltsdefizit sowie dem Anstieg der Staatsschulden seit der globalen Rezession in 2009. Die asiatischen Aktienmärkte reagierten mit Kursabschlägen, wenn auch in geringerem Ausmaß. Die Tokioter Börse schloss mit einem Minus von 1,07 Prozent.

Auch an den europäischen Börsen werden Reaktionen erwartet. Die Herabstufungen der Bonität hoch verschuldeter Länder, wie zuletzt die der USA durch Standard & Poor's, wird für die jüngsten Kursabstürze verantwortlich gemacht. Der japanische Finanzminister Yoshihiko Noda bekräftigte jedoch, dass das Vertrauen in japanische Staatsanleihen weiterhin ungebrochen sei.

Er kündigte an, die heimischen Unternehmen, die unter dem starken Yen leiden, zu stützen. Über die staatliche Kreditagentur für den Außenhandel (Japan Bank of International Cooperation) sollen Fremdwährungsreserven im Wert von 100 Milliarden US-Dollar freigegeben werden, teilte Noda mit. Unter anderem sollen damit Investitionen heimischer Unternehmen im Ausland angeregt werden.

Die Absenkung der Bonität erhöht den Druck auf Japans Politik, die desolaten öffentlichen Finanzen zu sanieren. In der kommenden Woche steht in Japan ein Wechsel an der Regierungsspitze an, Premier Naoto Kan hat seinen Rücktritt in Aussicht gestellt. Als mögliche Nachfolger aus den Reihen der Demokratischen Partei Japans (DPJ) gelten Finanzminister Yoshihiko Noda und Ex-Verkehrsminister Sumio Mabuchi.

Japan hat unter allen Industrieländern die höchsten Staatsschulden, die sich inzwischen auf rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) belaufen. Japan ist allerdings fast ausschließlich bei den eigenen Bürgern verschuldet.

Die Herabstufung, welche die Kreditkosten des Landes erhöhen dürfte, erfolgte trotz der Bemühungen der japanischen Regierung, die öffentlichen Finanzen wieder in den Griff zu bekommen.

Dazu gehört das kürzlich erklärte Vorhaben, die Verbrauchsteuer in den nächsten Jahren stufenweise auf zehn Prozent zu verdoppeln. Mehrere Faktoren machten es jedoch für Japan schwierig, den Anstieg der Schulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu verlangsamen, begründete die US-Ratingagentur ihren Beschluss.

Moody's äußerte zudem Zweifel daran, ob ein neuer Premier angesichts der Zerstrittenheit in der Regierungspartei DPJ sowie der Patt-Situation im Parlament in der Lage sein wird, die geplante Steuerreform anzupacken.

Die Opposition hält die Mehrheit im Oberhaus und kann damit Gesetzesvorhaben der Regierung erschweren. Hinzu komme, dass Japans wirtschaftliche Erholung durch die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März beeinträchtigt worden sei, hieß es.

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