Ärzte Zeitung online, 21.09.2011

Fukushima dämpft Atom-Boom

WIEN (dpa). Die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hat nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA den weltweiten Boom von Nuklearenergie eingedämmt.

Die Atomwächter in Wien senkten am Dienstag ihre Schätzung für die weltweite Produktionskapazität von Atomstrom im Jahr 2030 um 8 Prozent auf 501 Gigawatt.

Die IAEA leitet ihre jährliche Schätzung zur Zukunft der Nuklearenergie aus den Entscheidungen von nationalen Parlamenten und bereits begonnen Projekten für neue Meiler ab.

Die nach unten korrigierten Zahlen lägen schlicht an Ländern wie Deutschland, die sich nach der japanischen Nuklearkatastrophe Anfang März für einen Ausstieg entschlossen hätten, sagte der IAEA-Experte für Nuklearenergie, Holger Rogner, vor Journalisten.

Weitere rund sechs Staaten, die die Einführung von Atomkraft geplant hätten, seien nun doch nicht interessiert.

Neue AKW vor allem in China und Indien

Aktuell liegt die Produktionskapazität aller Meiler weltweit bei 375 Gigawatt. Atomstrom hat damit einen Anteil von 13,5 Prozent am weltweiten Energiemarkt. Dieser Anteil sinkt nach IAEA-Schätzung bis 2050 auf 6,2 Prozent. Bisher war die UN-Behörde von 7,1 Prozent ausgegangen.

Der japanische IAEA-Chef Yukiya Amano hatte zum Auftakt des Gouverneursrates in der vergangenen Woche von einem zwar verlangsamten, aber weiterhin signifikanten weltweiten Wachstum von Atomkraft gesprochen.

Nach seinen Schätzungen werden bis 2030 zu den bestehenden weltweit 432 Reaktoren zwischen 90 und 350 neue dazukommen. Das meiste Wachstum prognostizierte er für Länder wie China und Indien.

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