Ärzte Zeitung, 15.11.2011

Japan gibt verstrahlte Rinder für Forschung frei

Japan gibt verstrahlte Rinder für Forschung frei

TOKIO (dpa). Japan will radioaktiv verseuchte Rinder in der Sperrzone um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima zu Forschungszwecken nutzen. Das erklärte Landwirtschaftsminister Michihiko Kano am Dienstag im Parlament.

Einzelheiten nannte er nicht. Japanischen Medienberichten zufolge wird eine Gruppe von Veterinären und anderen Forschern schon in Kürze in der Stadt Minamisoma damit beginnen, Rinder auf ihre Strahlenwerte hin zu untersuchen.

Die Stadt liegt innerhalb der Sperrzone, die der Staat im April in einem Radius von 20 Kilometern um das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi eingerichtet hatte. Viele der rund 3500 Rinder auf Bauernhöfen sind nach Evakuierung des Gebietes verwildert.

Aufschlüsse auf die Wirkung beim Menschen

Forscher der Universität Kitasato sowie Mitglieder des nationalen Veterinärverbandes wollen nun mit Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums Bauernhöfe regelmäßig aufsuchen, die zur Kooperation bereit sind, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete.

Die Forscher erhoffen sich Aufschlüsse über die Auswirkungen interner Verstrahlung auf den Menschen. Auch könnten die Untersuchungen helfen, Maßnahmen zu entwickeln, wie Tiere in Zukunft gegen Strahlen geschützt werden können, hieß es.

Tiere sollten geschlachtet werden

Der Staat hatte eigentlich im Mai verfügt, aufgegebene Rinder, Schweine und Hühner in der Sperrzone töten zu lassen. Bisher sind laut Medienberichten rund 300 Rinder notgeschlachtet worden.

Seit dem Sommer sind jedoch einige der ausgesetzten Rinder wieder eingefangen worden, da ihre Züchter sie lieber zu Forschungen benutzen als sterben lassen wollen.

Es wird geschätzt, dass derzeit noch etwa 2000 Rinder in der Zone leben, wie die Zeitung "Mainichi Shimbun" meldete.

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Japan (438)
[16.11.2011, 21:48:27]
Dr. Horst Grünwoldt 
Versuchstiere
Das ist gut, wozu sich die Japaner mit ihren möglicherweise verstrahlten Rindern entschlossen haben: sie nicht sofort zu töten und zu entsorgen, sondern die Nachwirkungen des Reaktorunfalls von Fukushima an den lebenden Probanten zu erforschen.
Ich wünschte mir, das würden meine Seuchenbekämpfer im Falle von ausgerufener MKS, Schweine- und Geflügelpest nach Feststellung eines oder weniger Einzelfälle in einem größeren Bestand, -und besonders von unauffälligen Tieren im sog. "Seuchen"-Sperrbezirk-, jeweils vor großen "Keulungs"-Aktionen (Massentötungen) etwas zurückhaltend und forschend praktizieren.
Natürlich unter Verhängung der Quarantäne über den betroffenen Tierbestand/Betrieb und danach folgenden Neubewertung des tatsächlichen
"Seuchen"-Verlaufs und der immunologischen Situation.
Das wäre gewiß nicht nur im Interesse des Tierschutzes, sondern auch ein Beitrag, lebendes Privat- und Volksvermögen nicht vorschnell zu vernichten.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene und Mikrobiologie) aus Rostock zum Beitrag »

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