Ärzte Zeitung online, 08.08.2008

Teamarzt fordert Kontrollstatistik für Medaillengewinner

Anzahl der Kontrollen vor und nach den olympischen Spielen sollte transparent sein

PEKING (dpa). Der deutsche Olympia-Teamarzt Wilfried Kindermann hat vorgeschlagen, eine Statistik über die Anzahl der Doping-Kontrollen jedes Medaillengewinners vor und bei den Olympischen Spielen in Peking zu erstellen.

 Teamarzt fordert Kontrollstatistik für Medaillengewinner

"Das wäre auch ein gewisser Schutz für die Athleten", sagte der Mediziner in der chinesischen Hauptstadt. "Wir sprechen ja häufig von schmutzigen Lorbeeren, weil man nicht glaubt, dass bestimmte Leistungen unter normalen Bedingungen möglich wären." Es gebe aber immer wieder Jahrhunderttalente, die saubere Spitzenleistungen schaffen, betonte Kindermann.

Zugleich widersprach der 67-Jährige dem IOC-Präsidenten Jacques Rogge, der bei den Sommerspielen mit 30 bis 40 positiven Doping-Tests rechnet. "Ich halte die Zahl für zu hoch gegriffen", meinte er. Wenn man die Zahlen mit Sydney (11 positive Befunde) und Athen (26) vergleiche, komme man eventuell auf 25 bis 30. "Aber selbst diese Zahl halte ich für zu hoch", sagte er. "Die Athleten, die dopen wollten, tun es so, dass sie hier nicht erwischt werden."

Insgesamt werden in Peking zwischen dem 27. Juli und 24. August rund 4500 Tests vorgenommen, so viele wie noch nie. Kindermann begrüßte die Offensive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). "Mit den zahlreichen Kontrollen hat sich das Risiko für diejenigen, die dopen wollen, erhöht. So gesehen, ist das sicherlich ein wichtiger Schritt", meinte der Saarbrücker.

Kindermann berichtete zudem aus einer Sitzung der Medizinischen Kommission des IOC, dass einige Länder die "Where about"-Informationen (Abmeldepflicht) vorbildlich liefern. "Ich gehe davon aus, dass wir dazu gehören", meinte er. Es ist aber auch gesagt worden, "dass von einigen Mannschaften überhaupt keine Informationen vorliegen". Diese müssten mit einer "bösen Mahnung" rechnen. Die Namen der betreffenden Länder seien nicht genannt worden.

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