Ärzte Zeitung online, 13.08.2008

Der "fliegende Zahnarzt" als goldener Reiter

HONGKONG (dpa). Von seinem ersten Olympia-Sieg erfuhr Hinrich Romeike als letzter Reiter, bei seiner Einzel-Medaille riss er sofort die Faust hoch und genoss den doppelten Triumph mit der Deutschland-Fahne in der Hand. Der "fliegende Zahnarzt" aus dem schleswig- holsteinischen Nübbel war der überragende Reiter der olympischen Vielseitigkeit in Hongkong.

"Ich wusste, dass da immer noch eine Medaille für mich liegt, aber ich wusste nicht, dass es zwei sind", jubelte der "Schimmelreiter" mit dem feinen Pferdegefühl und der flotten Zunge: Der Einzel-Erfolg war für ihn das "i-Tüpfelchen" auf einem perfekten Turnier im schwülheißen Hongkong.

Aufgrund der Team-Order durfte ihm niemand sagen, dass er als letzter Teamreiter schon Gold sicher hatte: "Das war so abgesprochen." Als letzter Reiter des Einzels wusste er indes, um was es geht. Mit zwei Medaillen krönte der Mannschafts-Weltmeister seine Karriere.

Nachmittags war er noch fröhlich mit einem original-verpackten Hemd in den Bus gestiegen und grinste, als wenn es nicht um Gold gehen würde. "Das ist doch schick", scherzte Romeike, der Mann mit dem schelmischen Humor über das karierte Hemd. "Modell Rudi", das er bei seinem Medaillen-Ritten trug, ist nun der neue Glücksbringer.

Für die Medaillen-Entscheidung in Hongkong war sogar über Nacht Romeikes Freund und Springreit-Trainer Jörg Naeve kurzfristig eingeflogen. Der Kumpel hatte sich am Montag in den Flieger gesetzt, um Romeike am Dienstagabend zu coachen. "Es war knapp", berichtete Delegationsleiter Reinhard Wendt. Die auf die Schnelle besorgte Akkreditierung von Naeve wurde zunächst nicht anerkannt. Erst nach "mehreren Telefonaten mit Peking", erklärte Wendt.

"Als ich den Geländeritt im Fernsehen gesehen habe, habe ich gedacht, jetzt ist es scheißegal. Ich muss da hin", berichtet Naeve. 4200 Euro kostete ihn der spontane Trip nach Hongkong: "Das war es wert." Romeike schwärmte: "Meine Jungs lassen nichts aus."

Dabei musste Romeike sogar mit Durchfall kämpfen. Am Geländetag hatte er wieder die Lacher auf seiner Seite, als er scherzend erklärte: "Seit sechs Tagen läuft es hinten raus, ich habe Kohletabletten genommen, jetzt läuft es seit drei Tagen schwarz raus." Später erklärte er mit Verweis auf die Doping-Proben: "Bei stärkeren Mitteln muss man ja vorsichtig sein."

Romeike ist ein Amateur, der hauptberuflich in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet, und vor der Arbeit und nach Feierabend wie ein Profi reitet. Über das Fernsehen rief er seinen Mitarbeitern zu: "Macht zu, esst ein Eis, ich geb‘ euch frei."

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