Ärzte Zeitung online, 15.08.2008

Zwei weitere Doping-Fälle: Schütze und Turnerin wurden überführt

PEKING (dpa). Die Olympischen Spiele in Peking haben ihre nächsten beiden Doping-Fälle: Der zweifache Medaillengewinner im Schießen Kim Jong-Su aus Nordkorea und die Turnerin Thi Ngan Thuong aus Vietnam sind positiv getestet worden.

Der Schütze aus Nordkorea ist der Einnahme des verbotenen Betablockers Propranolol überführt und nachträglich disqualifiziert worden. Er müsse seine Silbermedaille aus dem Wettbewerb mit der Freien Pistole und das Luftpistolen-Bronze zurückgeben, teilte IOC-Sprecherin Giselle Davies am Freitag in Peking mit. Bei Thi Ngan Thuong Do wurden Spuren des Diuretikums Furosemid gefunden.

Propranolol ist für Schützen und Bogenschützen hilfreich, da es Zittern verhindert. Laut Arne Ljungqvist, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), sei davon auszugehen, dass der 31 Jahre alte Kim Jong-Su das Mittel "absichtlich eingenommen" habe.

Furosemid dient der Entwässerung des Körpers und der möglichen Verschleierung der Einnahme verbotener Substanzen.

Nach der Disqualifikation von Kim Jong-Su geht Bronze in der Luftpistolen-Konkurrenz an den bisherigen Vierten Jason Turner (USA). Im Wettkampf mit der Freien Pistole rückt der Chinese Tan Zongliang auf den zweiten Platz vor, Bronze wird an den zuvor viertplatzierten Russen Wladimir Isakow vergeben.

Durch die neuen Enthüllungen erhöht sich die Zahl der Dopingfälle bei den Peking-Spielen nach acht Tagen auf drei. Zuvor war unter der IOC-Hoheit bereits die spanische Radfahrerin Maria Isabel Moreno mit dem Blutdopingmittel EPO erwischt worden.

"Die Betrüger sind nicht weit voraus. Diese Ergebnisse zeigen, dass wir ihnen dicht auf den Fersen sind", erklärte Ljungqvist. Bei den Spielen 2004 in Athen waren 23 Athleten des Dopings überführt worden.

Bisher hat das IOC 2203 Tests in der chinesischen Hauptstadt durchgeführt. Die niedrige Zahl der positiven Proben sei eine Folge des "erhöhten Bewusstseins bei den Athleten, dass Doping inakzeptabel" sei, betonte Ljungqvist. Die Zahlen seien auf jeden Fall "sehr ermutigend".

IOC-Präsident Jacques Rogge hatte vor Beginn der Spiele bis zu 40 positive Tests erwartet. "Ich rechne mit einer wesentlich niedrigeren Zahl", erklärte Ljungqvist, der prognostiziert, dass die Zahl auf "sechs, sieben oder acht" steigt. Insgesamt hat das IOC in der chinesischen Hauptstadt die Rekordzahl von 4500 Dopingtests vorgesehen.

Taiwans Baseball-Spieler Chang Tai-shan wurde bereits vor den Spielen positiv getestet und zählt damit nicht zur offiziellen Doping-Statistik der Spiele.

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