Ärzte Zeitung online, 18.08.2008

Griechische Sportzeitung titelt: "Wir ertrinken im Doping"

PEKING/ATHEN (dpa). Das Mutterland der Olympischen Spiele bleibt eine der Hochburgen des internationalen Dopings. Einen Tag vor dem Start zu den Vorläufen in Peking wurde bekannt, dass die griechische Olympiasiegerin über 400-Meter-Hürden von 2004, Fani Halkia, positiv auf das verbotene anabole Mittel Methyltrienolon getestet worden ist.

Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Sonntag bestätigte, wurde die 29-Jährige am 10. August im japanischen Trainingslager in Fukui unter IOC-Hoheit getestet. Die EM-Zweite von 2006 musste das olympische Dorf in Peking bereits verlassen. Bei den Spielen ist es der vierte Doping-Fall, der bekannt geworden ist.

"Ich bin geschockt", sagte Halkia nach Aufdeckung des Falls bei einer Pressekonferenz in einem Hotel in Peking, die vom griechischen Radio live übertragen wurde. "Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich passe immer auf, was ich einnehme." Der Schlag sei "sehr schwer". Sie warte nun auf die B-Probe. Die Hürdenläuferin hatte vor vier Jahren in Athen überraschend Gold gewonnen. Damals verbesserte sie binnen 18 Monaten bis zum Olympiasieg ihre persönliche Bestzeit um fast vier Sekunden von 56,40 bis 52,77 Sekunden.

Das bei Halkia nachgewiesene unerlaubte Steroid Methyltrienolon erfreut sich unter Griechenlands dopingwilligen Sportlern offenbar großer Beliebtheit. Kurz vor den Peking-Spielen war bereits Weltklasse-Sprinter Anastasios Gousis mit diesem Mittel im Körper ertappt worden. Im Mai und Juni fand es sich beim Schwimmer Ioannis Drymonakos und elf Gewichthebern.

"Das finde ich ganz prima. Von mir aus können noch viel mehr erwischt werden", sagte Jürgen Mallow, Chef-Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). "Ich hätte nichts dagegen, wenn man die Überschrift verwendet: 'Doping-Spiele‘." Er wolle keine Namen nennen, "aber jeder kennt die Länder, wo nach hoher Wahrscheinlichkeit noch viel mehr gedopt wird".

Neben Griechenland war vor Olympia 2008 vor allem Russland durch mutmaßliche Urin-Manipulationen von sieben Leichtathletinnen ins Doping-Zwielicht geraten. Eingeholt wurde vor Eröffnung der Peking-SpieleEkatarina Thanou von ihrer Doping-Vergangenheit: Das IOC verweigerte der griechischen Olympia-Zweiten im Sprint von 2000 die Zulassung. Zusammen mit Kostas Kenteris hatte sie sich 2004 bei den Sommerspielen einem Doping-Test entzogen und einen Skandal ausgelöst.

Für Helmut Digel, das deutsche Councilmitglied im Leichtathletik-WeltverbandIAAF, ist der Fall Halkia auch ein Grund zur Freude. "Das ist sehr schön, was da passiert ist - auch wenn es die Olympischen Spiele beeinträchtigt." Ähnlich sieht es DLV-Präsident Clemens Prokop, der angesichts der Häufung von entdeckten Sport-Betrügern unter den Hellenen fordert: "Wenn man in einem Land so viele Doping-Fälle hat, muss der Staat begreifen, dass er etwas tun muss." Ein Schritt war zumindest die Gründung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (ESKAN).

Für Empörung sorgte die Halkia-Affäre auch in Griechenland. "Wir ertrinken in Doping", titelte die Sportzeitung "Filathlos" am Sonntag. Als "Erniedrigung" empfand das Blatt "Exedra" den Fall. Deshalb forderte der staatliche Sportsender ERA-Sport: "Wir müssen einen Schlussstrich ziehen. Die hohen Funktionäre müssen weg."

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Olympia 2008 (37)

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