Ärzte Zeitung, 21.08.2008

"Wir müssen einen gewissen Abstand akzeptieren"

Präsident des Leichtathletikverbandes ist mit Leistungen nicht unzufrieden

PEKING (dpa). Im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) ist nach dem bislang eher bescheidenen Abschneiden zur "Halbzeit" der Olympia-Wettkämpfe eine Kontroverse über die Bewertung der Leistungen zwischen alten und aktuellen Präsidenten ausgebrochen.

Hat die in ihn gesetzten Erwartungen übertroffen: Raul Spank, der im olympischen Hochsprungfinale den fünften Platz belegt hat.

Fotos: dpa

"So einen Satz halte ich für Unsinn", fuhr DLV-Chef Clemens Prokop seinen Vorgänger am Mittwoch in Peking in die Parade. Ex-Präsident Helmut Digel hatte davon gesprochen, dass keine Medaille in der Kernsportart bei den Peking- Spielen "in der öffentlichen Wahrnehmung als nationale Katastrophe" angesehen würde.

"Entscheidend ist nicht die Medaillenzählerei, sondern das Leistungsvermögen jedes Athleten", so Prokop. "Und bisher haben sich alle Starter im Bereich ihrer Bestleistung bewegt oder sie übertroffen."

Dies gelte für den Diskus-Vierten Robert Hartung und Raul Spank, der im Hochsprung überraschend Fünfter wurde. "Der eine hat die Erwartung erfüllt, der andere sie sogar übertroffen", sagte der Amtsgerichtspräsident aus Kehlheim. Anerkennung gebühre auch Antje Möldner, die über 3000 Meter Hindernis den 18. Platz erreichte - in deutscher Rekordzeit.

Sabrina Mockenhaupt landete über 10 000 Meter auf Rang 13, verbesserte dabei aber ihre Bestzeit. "Da kann ich nur gratulieren", meinte Prokop. Wirklich enttäuscht hat nach der DLV- Philosophie nur die Olympia-Zweite von 2004, Nadine Kleinert, die in Peking Siebte im Kugelstoßen wurde.

"Wir stehen für einen ethisch verantwortbaren Leistungssport", DLV-Präsident Clemens Prokop.

"Wir haben keine Supergirls und Supermen am Start. Und Erlebnisse wie mit dem Zehnkampf-Silber für Frank Busemann 1996 oder Hochspringern Ulrike Meyfarth, die nach 1972 auch 1984 Olympia-Gold holte, sind uns heute aber selten gegönnt", stellte Prokop fest und fügte an: "Natürlich hoffen wir darauf. Denn unser Ziel ist, besser als in Athen 2004 mit zwei Silbermedaillen abzuschneiden."

Erreicht werden soll es mit sauberen Mitteln. "Wir stehen für einen ethisch verantwortbaren Leistungssport", betonte Prokop. Dadurch müssen wir einen Abstand in manchen Disziplinen akzeptieren." Zum Beispiel im 100 Meter Lauf, in dem der Jamaikaner Usain Bolt mit der Fabelzeit von 9,69 Sekunden verblüffte. "Da haben wir lieber keinen Sportler am Start, als einen, der für Aufsehen und Zweifel sorgt."

Viele Trümpfe hat der DLV, dem vor Olympia die Absagen von Diskus- Weltmeisterin Franka Dietzsch und London-Marathonsiegerin Irina Mikitento hart trafen, nicht mehr in der Hand. Allen voran sind es Speerwurf Europarekordlerin Christina Obergföll und im Hochsprung Ariane Friedrich. Dagegen haben sich die Stabhochspringer um den WM-Dritten Danny Ecker vor Peking nicht gerade als Medaillenkandidaten ausgezeichnet.

Eine Heimreise mit einer mageren Bilanz wäre mit Blick auf die Weltmeisterschaften 2009 in Berlin eine schlechte Werbung. "Wir werden in Berlin eine schlagkräftige Mannschaft aufbieten. Der Heimvorteil wird zudem Motivation und einen Schub bringen", hofft Prokop.

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Olympia 2008 (37)

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