Ärzte Zeitung online, 15.02.2010

Pechstein will vom DOSB Olympia-Start einfordern

VANCOUVER (dpa). Der Fall Claudia Pechstein reicht jetzt bis nach Vancouver. Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin hat den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aufgefordert, sich beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für ihren Olympia-Start in Vancouver einzusetzen.

Pechstein
will vom DOSB Olympia-Start einfordern

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper bestätigte am Sonntag den Eingang eines Briefes der Berlinerin: "Claudia Pechstein hat Herrn Bach und mir einen persönlichen Brief geschrieben. Den werden wir selbstverständlich beantworten, aber nicht in der Öffentlichkeit."

Pechstein und ihre Manager wollten nicht im Detail auf den Inhalt des Briefes eingehen. "Wir warten jetzt mal das Schreiben des DOSB ab", so Ralf Grengel. In ihrem Brief könnte die wegen auffälliger Blutwerte gesperrte Pechstein auf jüngste Entwicklungen in ihrem Fall eingegangen sein, die aus ihrer Sicht ein neues Licht auf das Urteil des Weltverbandes ISU zu ihrer zweijährigen Sperre werfen könnten. Schon vor Wochen war bekannt geworden, dass mit Pierre-Eduard Sottas einen der beiden maßgeblichen Gutachter des Weltverbandes mit einigen Aussagen seine Einschätzungen relativiert hatte.

Zudem waren in den zurückliegenden Monaten immer wieder neue medizinische Gutachten von Experten vorgelegt worden, die auf eine Blutanomalie bei Pechstein hindeuten sollen. Vesper lässt in seiner Erklärung aber keinen Zweifel, dass die Urteile der ISU, des Internationalen Sportgerichtshofes CAS und des Schweizer Bundesgerichts voll bindend sind: "Im übrigen ist zu dieser Angelegenheit alles gesagt, was es zu sagen gibt", so Vesper.

Der DOSB hatte Pechstein wegen der bis zum 8. Februar 2011 geltenden Sperre nicht für das deutsche Olympia-Team nominiert. Die Chancen, Pechstein jetzt nachträglich zu nominieren, scheinen somit gegen Null zu tendieren. Möglicherweise nutzt die 37-Jährige jetzt die Olympia-Plattform, um nochmals die aus ihrer Sicht bestehenden juristischen Unsicherheiten einem größeren Publikum zu offerieren. Denkbar ist auch noch der Gang vor das Ad-hoc-Gericht des Sportgerichtshofes CAS. Dieses neunköpfige Gremium befasst sich in Eilverfahren mit Nominierungsfragen und auch Doping-Problemen.

Nach dem Auftakt der Eisschnelllauf-Wettbewerbe am Sonntag über 3000 Meter besteht aber kaum eine sportliche Startmöglichkeit für Pechstein. Die 5000 Meter, für die mit Stephanie Beckert, Daniela Anschütz-Thoms und Katrin Mattscherodt bereits drei deutsche Läuferinnen nominiert sind, findet am 24. Februar, die Team-Konkurrenz am 26. und 27. Februar zum Ende der Olympischen Spiele statt.

Weitere Berichte zu den olympischen Winterspielen in Kanada und den aktuellen Medaillenspiegel finden Sie auf unserer Sonderseite Olympia 2010

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