Ärzte Zeitung online, 26.04.2011

Erinnerungen: "Auswandern nach Südamerika?"

Erinnerungen: "Auswandern nach Südamerika?"

Auch Dr. Detlef Bunk aus Essen hat die damalige Katastrophe als existenzielle Bedrohung empfunden. Er dachte gar übers Auswandern nach. Er ist geblieben, sammelt seit 1986 aber keine Waldpilze mehr. Gedanken bereitet ihm seitdem auch ein Spontanabort.

Die Katastrophe von Tschernobyl 1986 haben wir als existenzielle Bedrohung erlebt. Europa erschien uns damals nicht mehr sicher, und es wurde ernsthaft über eine Auswanderung nach Südamerika nachgedacht.

Als Statistiker und überzeugter Konstruktivist wusste und weiß ich, dass nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung der Zeitpunkt des Eintreffens eines extrem seltenen Ereignisses nicht berechenbar ist. Und das war nun geschehen. Man fühlte sich ausgeliefert und hilflos.

Als passionierter Pilzsammler waren mir schon damals Forschungsergebnisse aus den 1970er Jahren bekannt über die erhöhte Belastung von Maronen-Röhrlingen und Anischampignons mit radioaktivem Cäsium-137 und Strontium-90, die in der Nähe von Atomkraftwerken wuchsen.

Diese Pilze zeigten eine höhere Stoffwechselaffinität zu diesen Isotopen gegenüber anderen natürlichen Alkalimetallen. Seit 1986 habe ich das Pilzsammeln aufgegeben und auf den Verzehr von Wildpilzen verzichtet.

Klar wurde auch, wie wenig die Wissenschaft weiß, und wie wenig verantwortliche Fachleute und Politiker über Risiken und Langzeitfolgen radioaktiver Technologien wissen wollten.

Zum Zeitpunkt 1986 waren wir eine zukunftsorientierte Familie mit zwei gesunden sechs- und siebenjährigen Kindern, die bis heute gesund und beruflich erfolgreich sind. Ein drittes Kind war unterwegs (Anfang zweites Trimenon). Etwa 14 Tage nach dem Super-GAU ergab sich ein Spontanabgang unklarer Ursache (anamnestisch erstmalig).

Wegen dieser zeitlichen Kontingenz mit der radioaktiven Verseuchung großer Teile Europas in Folge des Tschernobyl-Super-GAU bleibt bis heute das dumpfe, vielleicht irrationale Gefühl, dass wir dadurch eine Zweikinder-Familie geblieben sind und nicht zum Bestand der deutschen Bevölkerung beitragen konnten.

Wer weiß, und wer von der smarten, eloquenten und opportunistischen Politikergeneration heutiger Prägung mit der hoch gehaltenen Windfahne als Markenzeichen an ihren "Kinderfahrrädern" will wirklich wissen?

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[25.07.2014, 18:11:02]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Nichts als unbegründete Angst ...
hat vor allem in der Ukraine zu vielen Abtreibungen geführt.
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