Ärzte Zeitung online, 26.04.2011
Erinnerungen: "Unsere Patienten sind gelassen geblieben"
Der Sohn von Ulrike Eitner war im April 1986 gerade neun Monate alt. Als es in den Tagen nach der Katastrophe regnete, sei sie mit ihm aut dem Arm gerannt, erinnert sie sich. Sie hatte Angst vor dem Fallout. Auf der Psychotherapiestation, auf der sie arbeitete, war das Bild anders: Die Patienten waren eher gelassen.
Wir am 26. April 1986 bei strahlendem Wetter mit unserem neun Monate alten Sohn einen Spaziergang unternommen - noch vollkommen ahnungslos, was da zu uns unterwegs war. Bei der Erinnerung daran, gruselt es mir noch heute.
Als es nach der Katastrophe zum ersten Mal wieder regnete, war ich mit meinem Sohn auf dem Arm unterwegs beim Einkaufen, natürlich ohne Regenschirm. Ich weiß noch, wie ich gerannt bin und dabei versucht habe, unser Kind vor dem Regen zu schützen, weil ich Angst vor dem radioaktiven Fallout hatte.
Wir haben uns große Mengen H-Milch besorgt, mit der Molkerei telefoniert, weil wir sicher sein wollten, dass die Kühe nicht aus dem Stall gelassen wurden.
Erstaunt hat mich, dass unsere Patienten auf der Psychotherapiestation, auf der ich arbeite, relativ gelassen blieben angesichts der Bedrohung. Wir konnten weiter mit ihnen arbeiten, Therapie machen, Gruppen durchführen. Ich hätte erwartet, dass sie panisch reagieren würden.

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