Ärzte Zeitung online, 26.04.2011

Millionen gedenken Tschernobyl

Millionen Menschen haben zum 25. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl weltweit der vielen Opfer des Super-GAUs gedacht. Bei bewegenden Gedenkfeierlichkeiten in die Ukraine haben Hunderte Überlebende Blumen und Kerzen getragen.

Millionen gedenken Tschernobyl

Der Totenkopf als Sinnbild des Grauens: Die Umweltorganisation Greenpeace bestrahlte den damals havarierten Reaktor 4 mit einer Lichtprojektion.

© Vadim Kantor / Greenpeace / dpa

KIEW/MOSKAU (dpa). Mit ergreifenden Gedenkfeiern, aber auch mit einem klaren Bekenntnis zur Atomkraft haben die Ukraine und Russland tausender Opfer gedacht.

Kremlchef Dmitri Medwedew kündigte in der Sperrzone rund um das havarierte Kraftwerk eine russische Initiative für weltweit mehr Reaktorsicherheit an.

Dank an "Liquidatoren" für ihren Einsatz

Mit seinem ukrainischen Kollegen Viktor Janukowitsch dankte er besonders den damaligen Aufräumarbeitern ("Liquidatoren") am Unglücksreaktor für ihren gefährlichen Einsatz.

Vor allem den "Liquidatoren" sei zu verdanken, dass sich das radioaktive Unheil nicht noch weiter über die Welt ausgebreitet habe, betonten die Präsidenten Janukowitsch und Medwedew in Sichtweite des von einem mächtigen Sarkophag überdeckten Reaktors. Tausende Arbeiter starben an den Folgen der Strahlung.

25 Glockenschläge eröffnen Gedenken

Ein Vierteljahrhundert nach der Katastrophe in der Ukraine hatten um 1.23 Uhr russischer Ortszeit 25 Schläge mit der Tschernobyl-Glocke den Jahrestag eingeläutet. Mit der Glocke beginnt traditionell das jährliche Erinnern an die Tausende Opfer des Super-GAUs in der damaligen Sowjetrepublik.

"Bis zu diesem Zeitpunkt kannte die Menschheit keine solche Katastrophe wie Tschernobyl", sagte der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche, Kirill, bei einer Trauermesse. Dort trugen hunderte Menschen, darunter viele Arbeiter von damals, Kerzen und Blumen.

Greenpeace beleuchtete Reaktor 4

In Tschernobyl beleuchtete die Umweltorganisation Greenpeace den damals havarierten Reaktor 4 mit einer Lichtprojektion. Auch ein Totenkopf sowie Anti-Atomkraft-Slogans in Japanisch, Deutsch und Russisch waren zu sehen.

"Wir sind den Opfern von Tschernobyl gegenüber zum Atomausstieg verpflichtet", sagte der deutsche Greenpeace-Aktivist Tobias Münchmeyer in der kühlen und klaren Nacht in der ruhigen Sperrzone am Kraftwerk.

In Russland zündete die Umweltorganisation Bellona in St. Petersburg Fackeln aus Papier an, die in die Luft stiegen. Nach der Reaktorexplosion hatte eine kilometerhohe Feuersbrunst über Tage radioaktive Teilchen in die Luft geschleudert.

Fukushima nutzt Tschernobyl-Erfahrungen

In Japan sagte Regierungssprecher Yukio Edano, sein Land habe in Fukushima auch von den Tschernobyl-Erfahrungen profitiert. Beide Unfälle seien aber nicht vergleichbar.

In Japan betrage die freigesetzte Radioaktivität ein Zehntel dessen, was in Tschernobyl in die Umwelt gelangte, sagte Edano. Auch sei das verstrahlte Gebiet kleiner, sagte der Sprecher. Umweltorganisationen stufen dagegen beide Unfälle etwa gleich schlimm ein.

Ukraine und Russland setzen weiter auf Atomstrom

Ungeachtet der Tschernobyl-Folgen setzen die bis heute am stärksten betroffenen Ex-Sowjetrepubliken Ukraine und Russland weiter auf einen Ausbau der Atomkraft. Das besonders stark betroffene und autoritär geführte Weißrussland will bis 2017/18 den ersten Kernreaktor bauen lassen.

Medwedew hatte vor seiner Reise nach Kiew erklärt, die friedliche Atomnutzung gelte "als billigste und alles in allem ökologisch sauberste Energieform".

Atomkraftgegner halten Nuklearenergie dagegen für teuer, unkontrollierbar und im Ernstfall tödlich. Experten schätzen den Schaden durch Tschernobyl auf 124 Milliarden Euro.

Sarkophag muss erneuert werden

Der provisorisch abgedichtete Reaktorblock von Tschernobyl droht seit Jahren einzustürzen. Ein geschätzt 1,6 Milliarden Euro teurer Sarkophag soll den brüchigen Schutzmantel ersetzen.

Unter dem Provisorium aus Stahl und Beton vermuten Experten noch 190 Tonnen hoch radioaktives Material. Auch nach einer internationalen Geberkonferenz in der Vorwoche fehlen noch mehr als 200 Millionen Euro für die Finanzierung des Jahrhundert-Projekts.

Zum Special "Tschernobyl - 25 Jahre danach"

[29.04.2011, 10:14:39]
Dr. Joachim Malinowski 
..... Experten schätzen den Schaden durch Tschernobyl auf 124 Milliarden Euro.
"...Experten schätzen den Schaden durch Tschernobyl auf 124 Milliarden Euro...."

Wer bezahlt das?

Was hätte man mit diesem vielen Geld nicht alles schon an sauberer Energie aufbauen können, wenn "man" nur gewollt hätte!

Wie lange will "man" noch damit zuwarten?
Wie lange überläßt man der Großindustrie in der ganzen Welt weiter freie Hand, damit sie uns mit Umweltkatastrophen überhäufen und unsere Lebensperspektive zerstören und unsere Lebenszeit verkürzen?

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[27.04.2011, 00:20:55]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Benefizkonzert für die Erdbeben-, Tsunami- und Nuklearopfer in Japan
Die Dortmunder Philharmoniker und der Opernchor haben am 25.4.2011 unter Leitung ihres Dirigenten Motonori Kobayashi ein Benefizkonzert gegeben. Es wurde begleitet von Dankes- und Grußworten des japanischen Generalkonsuls Kiyoshi Koinuma und beinhaltete unter anderem das von dem in Dortmund lebenden Komponisten Jin Urayama bearbeitete Japanische Lied "Furusato - An die ferne Heimat".

Die gesamten Eintrittsgelder und zusätzliche Spenden gingen ohne Abzüge an die Deutsch-Japanische Gesellschaft der Auslandsgesellschaft NRW e.V. zur Unterstützung der Umsiedlung von Kindern und ihren Müttern aus dem Nordosten (Fukushima) in den Süden Japans:
www.hilfefuerjapan2011.de
und zum anderen an die Internationale Musikervereinigung FIM, die Musiker und Orchester unterstützt, die durch die Katastrophe ihre Spielstätten (z. B. Sendai) und Arbeitsplätze verloren haben:
www.support-japanese-musicians.net

Freundliche Grüße, Dr. med. Thomas G. Schätzler, Dortmund
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