Ärzte Zeitung, 13.05.2009

Der Nabel des bayerischen Barock

Ostbayern steht für Natur, Thermen, Bier, aber vor allem für Glanzstücke des Barock. In den vielen Klöstern und Kirchen sind die Meisterwerke der wohl berühmtesten Künstler des bayerischen Barock zu bewundern.

Von Ursula Armstrong

Kleines Meisterwerk: der Seitenaltar mit St. Anna und St. Franziskus in der Basilika von Osterhofen. Fotos (3): ug

Licht, Farbe, Stuck und Gold - das sind die ersten überwältigenden Eindrücke, wenn man die Basilika von Osterhofen betritt. Hell und prächtig ist dieser Kirchenraum. Über und über ist er ausgestattet mit Ranken und Bändern, Kapitellen, Vasen und weiß-goldenen Engelsgestalten. Schaut man genau hin, entdeckt man viele liebevolle Details. Etwa die Schlappen des Heiligen Franziskus am ersten rechten Nebenaltar, den faltigen Hals der Heiligen Anna, der Mutter Marias, an demselben Nebenaltar, das selige, mitunter verschmitzte Lächeln der vielen Engeln oder die bayerischen Löwen am schmiedeeisernen Kommunionsgitter, die ihre langen Zungen rausstrecken.

Die ehemalige Prämonstratenserkirche in Osterhofen, die 1982 zur Päpstlichen Basilika erhoben wurde, ist ein Meisterwerk des Barock. Entstanden ist sie zwischen 1728 und 1741. Baumeister der großen, hellen Kirche war der geniale Münchner Architekt Johann Michael Fischer. Die Ausstattung haben zwei der berühmtesten Barock-Künstler übernommen, die Asam-Brüder. Cosmas Damian Asam, der ältere, hat das riesige Hochaltarbild, drei weitere Altarblätter und die Fresken gemalt. Die Stuckdekoration stammt vom kongenialen jüngeren Bruder Egid Quirin Asam. Für ihn war das der umfangreichste Auftrag, den er je übernommen hatte. Mehr als zehn Jahre hat der Stuckateur an der Osterhofener Kirche gearbeitet. Vielen gilt diese niederbayerische Basilika denn auch als die schönste aller Asam-Kirchen.

Die Region gilt als Hochburg des bayerischen Barock

Niederbayern - da denkt man an den Bayerischen Wald, an Wandern oder Golfen, an hübsche Marktflecken mit bunten Häusern oder auch an das Bayerische Thermenland mit den Kurbädern wie Bad Füssing oder Bad Birnbach. Aber die Region ist auch eine Hochburg des Barock. Gerade die Asam-Brüder hinterließen in Ostbayern - das sind die Regierungsbezirke Niederbayern und Oberpfalz - vielleicht die schönsten ihrer meist sakralen Kunstwerke. Wer also in barocker Kunst schwelgen möchte, der sollte einen Trip nach Ostbayern planen und dort die vielen Klöster und Kirchen besuchen.

Keine Seltenheit in der Natur Ostbayerns: Aufmerksame Wanderer können im Bayerischen Wald Luchsen und Rotwild begegnen.

Barock wird die Zeit von 1600 bis 1750 genannt. Die Bezeichnung stammt aus der darauf folgenden Periode der Aufklärung und war alles andere als positiv gemeint. Der Begriff geht auf das portugiesische Wort "barocco" ("schiefrund") zurück. Der ursprüngliche Sinn hat sich nur im Wort Barockperle erhalten. So wird eine seltsam geformte, eben schiefrunde Perlenoberfläche bezeichnet, die den Wert eines Schmuckstücks mindert. In diesem Sinne galt den Menschen der Aufklärung der Zeitgeschmack des Barock als "regelwidrig" und "schwülstig".

Und den Schwulst kann man diesem Kunststil der Gegenreformation und des Absolutismus auch nicht absprechen. Ekstatische Frömmigkeit und weltliche Daseinsfreude gehören zum Wesen barocker Kunst. Die Formen sind bewegt und affektgeladen. Der Bewegungsrausch voller Kontraste und Gegensätze soll die Betrachter ergreifen und erschüttern. Das Ideal des Barock ist die Synthese, das Gesamtkunstwerk, wo die Grenzen zwischen Baukunst, Bildnerei und Malerei aufgehoben werden.

Eine Sonderentwicklung dieser Kunstform ist der Bayerische Barock. Zu dessen berühmtesten Vertretern gehören die Asam-Brüder: der Maler und Architekt Comas Damian (1686 bis 1739) und der Stuckateur und Bildhauer Egid Quirin (1692 bis 1750). Sie schufen ihre Meisterwerke in der Region Ostbayern, in Weltenburg, Rohr, Regensburg, Altegolfsheim, Aldersbach, Straubing und Osterhofen.

Ideales Reiseziel für jene, die Erholung und Natur suchen

Moderne Menschen fühlen sich häufig eher vom nüchternen Stil der Aufklärung angesprochen. Viele mögen von all der fast bombastischen barocken Verspieltheit, der schwelgerischen Helden- und Heiligenverklärung, der leidenden oder wollüstigen Leiber abgestoßen sein. Doch wenn man barocke Gesamtkunstwerke auf sich wirken lässt, ist man von der leidenschaftlichen Bewegtheit und der Kühnheit der Motive mitgerissen.

Und wem von dem barocken Rausch der Kopf schwirrt, der kann sich bei einer Wanderung in der klaren Luft und der unverfälschten Natur des Bayerischen Waldes, bei einer Massage in einer der Thermen oder bei einem deftigen Essen mit Bier aus Niederbayern erholen. Einen Besuch ist Ostbayern allemal wert.

Klassik, Jazz und ein Wanderevent

Ostbayern bietet nicht nur Barock: "Ehre, wem Ehre gebührt" - mit diesem Motto etwa eröffnet Passau, die Drei-Flüsse-Stadt, ihre Europäischen Wochen. Vom 12. Juni bis zum 19. Juli gibt es mehrere Festspielen, bei denen bedeutende Persönlichkeiten des europäischen Kulturlebens im Fokus stehen.

"Jazz an der Donau" heißt es vom 16. bis 19. Juli in Straubing. Das Musikfestival zählt mittlerweile zu den Top-Ten der europäischen Jazz-Events. In diesem Jahr sind Stars wie Carlos Santana oder der deutsche Jazzer Till Brönner mit von der Partie.

"24 Stunden von Bayern" lädt Wanderfreunde zu einem ungewöhnlichen Wanderevent durch den Oberpfälzer Wald ein. Start ist am 20. Juni um 8 Uhr in Windischeschenbach. Die Wanderung - ohne Schlaf - verspricht ein intensives Naturerleben und ein vielfältiges Programm. (eb)

www.ostbayern-tourismus.de

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