Ärzte Zeitung online, 15.06.2009

Grausamer Tod für deutsche Helferinnen im Jemen

ISTANBUL/SANAA(dpa). Beseelt vom Geist der Nächstenliebe und dem Ziel zu helfen, wo die Not am größten ist, waren die beiden Deutschen in den Jemen gezogen. Er arbeitete Jahre lang am Al-Dschumhuri-Krankenhaus in Saada als Hausmeister, seine Frau als Krankenschwester. Mit seinen drei kleinen Kindern lebte das Paar in einem Land, das als "Armenhaus Arabiens" bezeichnet wird.

Auch mehrere Freiwillige aus Südkorea arbeiten in dem Krankenhaus, das inmitten eines Konfliktgebietes liegt. Nun sind mehrere dieser Helfer Opfer von Extremisten geworden.

In der nordwestlichen Provinz Saada ist das Elend noch größer als andernorts im Jemen. Hunderte von Familien haben in der Provinz in den vergangenen fünf Jahren ihre Häuser verlassen, um vor den immer wieder aufflammenden Kämpfen zwischen den schiitischen Houthi-Rebellen und den Regierungstruppen zu fliehen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk kümmert sich um die Vertriebenen. Das Welternährungsprogramm liefert Nahrungsmittel nach Saada.

Als die deutsche Familie am Freitag zusammen mit zwei deutschen Praktikantinnen, einem Briten und einer Südkoreanerin verschwand, gingen Beobachter in Sanaa zunächst von einer Entführung durch Stammesangehörige aus (wir berichteten). Man glaubte, bewaffnete Männer hätten sich Ausländer geschnappt, um sie als Faustpfand in ihren Machtspielen mit der Regierung zu benutzen. Das kommt im Jemen jedes Jahr mehrfach vor. Erst einen Tag vor dem Verschwinden der Deutschen hatten Stammesangehörige nördlich von Sanaa ausländische Ärzte aus Saada für rund 24 Stunden verschleppt, um damit die Freilassung von zwei Angehörigen zu erzwingen.

Doch dann wuchs die Sorge. Die Tage vergingen und kein Entführer meldete sich. Das ist ungewöhnlich. Die jemenitische Regierung tappte im Dunkeln und schob die Schuld erst einmal den Anhängern des ihnen verhassten Rebellenführers Abdulmalik al-Houthi zu, die dies aber sofort vehement dementierten. An das Terrornetzwerk El-Kaida, das im Jemen zuletzt im vergangenen März vier südkoreanische Touristen getötet hatte, dachte zunächst niemand, weil man im schiitischen Saada keine Schlupfwinkel der sunnitischen Terroristen vermutete.

Doch dann fand die Polizei zunächst die Leichen von drei der insgesamt vier Frauen, die zu der am Freitag verschollenen Gruppe gehörten. Sie wurden auf eine Art und Weise getötet, die weder auf einen Raubmord noch auf Vergewaltigung hindeutet. Nach Angaben aus Saada starben sie durch mehrere Pistolenschüsse und Messerstiche. Zwei der entführten Kinder wurden unterdessen lebend gefunden.

Jemenitische Beobachter vermuten nun, militante Islamisten könnten die Ausländer in blindwütigem Hass getötet haben oder als "Rache" für die jüngsten Erfolge der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen ElKaida, deren Terroristen zum Teil in der benachbarten Provinz Al-Jawf untergetaucht sein sollen. In der jemenitischen Provinz Marib war zuletzt Hassan Hussein bin Alwan gefasst worden, der nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Sanaa die Finanzierung von El-Kaida-Operationen in Saudi-Arabien und im Jemen organisiert haben soll.

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