Ärzte Zeitung online, 22.02.2010

Cockpit macht Streikdrohung wahr: Piloten legen Verkehr lahm

FRANKFURT/MAIN (dpa). Die Pilotenvereinigung Cockpit macht ihre Drohungen wahr und legt große Teile des Lufthansa-Flugverkehrs lahm. Seit Mitternacht sind rund 4000 Piloten zum Streik aufgerufen. An den größten deutschen Flughäfen in Frankfurt, Düsseldorf, München, Berlin und Hamburg fielen schon am Montagmorgen zahlreiche Flüge aus.

Sollte der Ausstand wie angedroht bis Donnerstag fortgesetzt werden, wäre es der größte Streik in der Geschichte der deutschen Luftfahrt.

Betroffen waren am Morgen vor allem Strecken innerhalb Deutschlands sowie einige internationale Verbindungen. Zehntausende Passagiere müssen sich darauf einrichten, dass ihre Flüge gar nicht oder nur verspätet starten, die Lufthansa rechnet mit Millionenschäden. Chaos und Hektik brachen in den Morgenstunden aber nicht aus. Flughafensprecher berichteten von Ruhe in leeren Abflughallen.

Etwa 800 Flüge werden nach Einschätzung der Lufthansa über den Tag ausfallen. Das wären etwa zwei Drittel der Flüge, die von der Gewerkschaft bestreikt werden können. Das restliche Drittel der Flieger soll abheben. Beim Billigflieger Germanwings sollen rund zwei Drittel der Flüge trotz des Streiks stattfinden.

Die Deutsche Bahn setzte unterdessen zusätzliche Züge ein. Ein Zugpaar fahre zwischen Köln und Berlin, ein weiteres zwischen Hamburg und Berlin und zurück, teilte die Bahn mit. Zusätzliche Kapazitäten würden zwischen München-Hannover/Hamburg und Hamburg/Hannover-München angeboten. Flugreisende könnten ein Bahnticket für die identische Reiseklasse bei der Bahn kaufen und später gemeinsam mit einem Beleg über das Flugticket von der Lufthansa erstatten lassen.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt sollten von den rund 390 Lufthansa-Verbindungen etwa 40 Prozent ausfallen, sagte eine Sprecherin zur dpa. Weil sich viele Passagiere über den Sonderflugplan informiert hatten, blieb ein Chaos in den Morgenstunden aus. Fluggäste aus dem Ausland, die in Frankfurt gelandet sind, mussten auf die Bahn ausweichen oder wurden umgebucht.

Am zweitgrößten Airport bei München war es "sehr ruhig und sehr leer" in der Abflughalle, wie ein Sprecher sagte. Auch am Umbuchungsschalter der Airline warteten nur vereinzelt Passagiere. Die Lufthansa geht davon aus, dass dort rund 40 Prozent der Flüge gestrichen werden müssen. "Wir werden versuchen, 50 bis 60 Prozent des normalen Flugprogramms aufrecht zu erhalten", sagte eine Sprecherin. Ob der in der vergangenen Woche veröffentlichte Sonderflugplan eingehalten werden kann, werde sich im Laufe des Tages zeigen. Den Flughafen München verlassen täglich rund 330 Lufthansa- Flieger.

Die genaue Anzahl der annullierten Flüge an den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn konnte die Lufthansa am frühen Morgen noch nicht nennen. An beiden Flughäfen sollten am Montag zwar einige Lufthansa-Maschinen abheben, die meisten Flüge seien aber gestrichen. Nach einer ersten groben Schätzung fielen 8 von 10 Flügen aus. In Hamburg sollten am Montag nur 44 von 97 Flügen starten.

Am Sonntag war ein Versuch von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), zwischen den Parteien zu vermitteln, gescheitert. Sollte es nicht doch noch zu neuen Verhandlungen kommen, wollen die Piloten ihre Arbeit bis Donnerstag niederlegen.

"Wir hatten bis zum Schluss Hoffnung, den Streik abzuwenden", sagte eine Lufthansa-Sprecherin in der Nacht der dpa und betonte: "Wir sind selbstverständlich dialogbereit." Den Piloten geht es vor allem um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Sie wollen verhindern, dass Flüge aus dem Mutterkonzern auf ausländische, billigere Töchter verlagert werden.

Lesen Sie dazu auch:
Lufthansa geht gerichtlich gegen Streik vor

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