Ärzte Zeitung online, 18.04.2010

Flugverbot löst Ansturm auf die Bahn

BERLIN (dpa). Volle Bahnhöfe, verwaiste Flughäfen. Die Vulkanaschewolke über Europa stellt die Deutsche Bahn vor eine der größten Herausforderungen der vergangenen Jahre. Wegen der Sperrung der Flughäfen musste das Unternehmen am Wochenende deutlich mehr Reisende transportieren als sonst.

Weil am Montagmorgen erneut ein riesiger Ansturm auf die Züge zu erwarten ist, wird die Bahn ihr Angebot wiederum aufstocken. "Wir fahren mit allem, was wir haben", versicherte ein Bahn-Sprecher. Zudem werde an den Bahnhöfen - wie schon am Wochenende - mehr Personal eingesetzt als üblich.

Weil der Flugverkehr über Deutschland wegen der Aschewolke aus Island seit Tagen lahm liegt, waren Bahnhöfe und Züge schon am Wochenende überfüllt. Selbst bei einer Öffnung der Flughäfen dürfte es Tage dauern, bis sich die Lage normalisiert. Der Ausnahmezustand bei der Bahn wird also in jedem Fall andauern.

Reisenden, die ihre Fahrt nicht unbedingt am Montagmorgen antreten müssen, wurde daher ein Ausweichen auf die Mittagsstunden empfohlen. Zum Wochenbeginn ist der Run auf die Schiene auch wegen der Berufspendler traditionell überdurchschnittlich groß.

Jeder verfügbare Zug werde eingesetzt, versicherte der Sprecher. Vor allem auf den ICE-Verbindungen zwischen den großen deutschen Flughäfen Frankfurt/Main, München, Hamburg, Düsseldorf und Berlin sowie Richtung Wien und Richtung Dänemark wird weiterhin mit deutlich mehr Reisenden als sonst gerechnet. Wegen technischer Probleme sind allerdings schon seit Monaten nur verkürzte ICE-Züge unterwegs.

Deutschlandweit hatten sich bereits am Wochenende lange Schlangen vor den Service-Centern gebildet - am Berliner Hauptbahnhof waren es oft mehr als 100 Meter. Auch an den Bahnsteigen gab es überall dichtes Gedränge. So warteten in Berlin mehrere hundert Menschen gegen Mittag auf den ICE Richtung Kopenhagen. Bis Sonntagabend fuhren die Züge nach Angaben der Bahn aber "im Großen und Ganzen relativ pünktlich".

Auch in Nordrhein-Westfalen füllten sich die Bahnhöfe im Laufe des Wochenendes zusehends. Trotzdem gehe alles geordnet seinen Gang, sagte ein Sprecher. Von Chaos könne keine Rede sein. Er empfahl vor allem Fernreisenden, Sitzplätze zu reservieren. Die Züge könnten noch voller werden, sollte die Sperrung des Luftraums über Deutschland andauern. Und Entwarnung ist vorerst nicht in Sicht. Der Vulkan in Island schleudert weiter Asche in die Atmosphäre und die Meteorologen erwarten anhaltend ungünstiges Wetter.

In den Nachbarländern reagieren die Bahnunternehmen ebenfalls auf die beispiellose Naturkatastrophe. So wollte die französische Bahn am Sonntag 8500 zusätzliche Plätze von Paris bereitstellen, davon 6100 für den Eurostar nach London und 400 für den Zug nach Frankfurt/Main.

Die Deutsche Bahn hatte bereits am Samstag mehr Passagiere als üblich befördert, um den Wegfall der Flugverbindungen auszugleichen. Zwei Vorfälle brachten den Fahrplan aber zusätzlich durcheinander. So wurden sechs Reisende zwischen Montabaur und Limburg leicht verletzt, weil ein entgegenkommender ICE-Zug während der Fahrt eine Tür verlor. Die Tür schlug nahe dem Bistrowagen ein, die Strecke wurde erstmal gesperrt. Am Samstagmorgen hatten Unbekannte einen Lastwagen unter einer Hamburger Bahnbrücke angezündet und so die Elektronik auf der Strecke beschädigt. Der Bahnverkehr vom Hamburger Hauptbahnhof Richtung Süden war dadurch zeitweise weitgehend blockiert.

Bahn-Hotline: 0180-5 99 66 33; Internet: www.bahn.de

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