Ärzte Zeitung online, 12.10.2011

Wieder Brandsätze an Bahngleisen in Berlin gefunden – einer explodiert

An Bahngleisen in und um Berlin werden immer mehr Brandsätze entdeckt. Ermittler fanden erneut Flaschen mit brennbarer Flüssigkeit – eine davon ist explodiert. Wer genau hinter den Attacken steckt, ist weiter unklar.

BERLIN (dpa). In Berlin sind an Bahnstrecken am Mittwoch weitere Brandsätze entdeckt worden. Einer davon ist nach Angaben der Polizei explodiert – vermutlich aber schon vor geraumer Zeit. Die Überreste wurden am 12. Oktober in der Nähe eines Bahnhofs im Westen der Stadt gefunden.

Die Polizei schloss nicht aus, dass es noch andere nicht entdeckte Brandsätze gibt. Die Funde sorgen weiter für Störungen auch im Fernverkehr der Bahn. Politiker diskutieren über die Gefahr durch linksextremistische Gewalttäter.

Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Das Bundeskriminalamt sei mit den weiteren Ermittlungen beauftragt, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am 12. Oktober.

An der Fundstelle im Westen Berlins wurde in der Nähe des explodierten Brandsatzes ein zweiter gefunden. Bundespolizisten entdeckten zudem zwischen zwei Bahnhöfen im Süden der Stadt Flaschen mit brennbarer Flüssigkeit.

Ein Polizeisprecher sagte: „Es gab einen Brandsatz, der in irgendeiner Weise irgendwie gezündet hat.“ Das könnte aber auch schon am Montag oder Dienstag der Fall gewesen sein. Derzeit gebe es keinen Brand, und es sei niemand verletzt worden.

Die Bahn teilte mit, der Verkehr sei wegen der Polizeieinsätze an beiden Fundorten unterbrochen. Fern- und Regionalzüge nach Westen und die Berliner S-Bahn im Süden werden umgeleitet. Auch der Fern- und Regionalbahnverkehr nordwestlich der Hauptstadt war am 12. Oktober weiterhin beeinträchtigt. Die Züge zwischen Berlin und Hamburg wurden nach Angaben der Bahn umgeleitet.

Die Sicherheitsbehörden vermuten die Täter in linksextremistischen Kreisen. Der Berliner Verfassungsschutz geht von einer isolierten Einzelgruppe aus. Die Polizei vermutet, dass alle Brandsätze gleichzeitig deponiert wurden und seitdem nach und nach entdeckt werden.

Zeitgleich mit den Attacken gegen die Bahn war am Montag ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Eine linksextreme Gruppe protestiert darin gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) verurteilte die Attacken auf die Bahn scharf. Dies seien „verbrecherische terroristische Anschläge“, die auch in eine neue Dimension hineingingen, sagte Ramsauer am Mittwoch in Berlin.

Bundesinnenministerium sieht noch keinen neuen Linksterrorismus in Deutschland

Das Bundesinnenministerium sieht dagegen noch keinen neuen Linksterrorismus in Deutschland. Es gebe bisher keine Hinweise, dass aus den linksextremistischen Strukturen bereits linksterroristische Vereinigungen im Sinne des Strafgesetzbuches geworden seien, sagte Ministeriumssprecher Jens Teschke am 12. Oktober in Berlin.

Politiker von Grünen und Linken wandten sich gegen voreilige Schlüsse. Die stellvertretende Parteivorsitzende der Linken, Halina Wawzyniak, verurteilte die Taten: "Wer Sprengsätze wirft und Brandsätze hinterlegt, ist nicht links, sondern ein Straftäter. Gewalt ist grundsätzlich kein Mittel der Politik, auch keines linker Politik."

Insgesamt sind mit den Funden vom 12. Oktober bisher mindestens 14 Brandsätze entdeckt worden. Drei davon waren am 10. und 11. Oktober in der Nähe des Berliner Hauptbahnhof und weitere drei im Südosten Berlins auf einem Bahngelände.

Am späten Abend des 11. Oktober wurden zudem drei Brandsätze in Kabelschächten nördlich der Innenstadt entdeckt. Keiner davon zündete. Möglicherweise verhinderte das Regenwetter Schlimmeres.

Bahn und Bundespolizei hatten die Kontrollen am 11. Oktober in ganz Deutschland verstärkt. Die Bahn lässt ihre Sicherheitsmitarbeiter weiterhin auch die Gleisanlagen kontrollieren.

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