Ärzte Zeitung, 20.10.2012

Reiseziel Bozen

Goldener Herbst in Südtirol

Prunkvolle Burgen und Schlösser, am Rande der bleichen Gipfel der Dolomiten. Es ist die Verbindung von Traditionen und Moderne, womit Südtirol und vor allem Bozen die Urlauber in ihren Bann ziehen.

Von Pete Smith

Goldener Herbst in Südtirol

Nur eine Stunde von Bozen wartet die Landidylle in Kollfuschg am Fuße des Sella-Gebirges.

© imago / ARCO IMAGES

Diese Idylle ist einfach zu schön, um wahr zu sein. Hänge mit saftig grünen Wiesen, auf einem der Hügel thront eine uralte Kirche, im Hintergrund die schneebedeckten Wipfel der Berge und über allem ein weißblauer Himmel - das gibt es nur auf Postkarten, oder?

Nein, Südtirol kennt viele solcher Orte. Und bei 300 Sonnentagen im Jahr muss man die Kamera nicht immer griffbereit haben, um eines dieser Motive festzuhalten.

Vom Vinschgau bis zum Pustertal, vom Eisacktal bis in die Dolomiten - egal, wo man den Kopf aus dem Fenster streckt, überall erblickt man die Bilder seiner längst vergessenen Kindheit. Als ob hier, zwischen Österreich und Italien, die Zeit stehen geblieben sei.

Ist sie nicht. Auf geheimnisvolle Weise ist es den Südtirolern gelungen, die Tradition zu wahren und gleichzeitig die Moderne Willkommen zu heißen. Am deutlichsten zeigt sich dies in Bozen.

Die Landeshauptstadt der autonomen Provinz hat gut 100.000 Einwohner und ist mit Abstand die größte Stadt Südtirols. Seine herausragende Stellung verdankt Bozen vor allemder günstigen Lage zwischen den einst bedeutenden Handelsstädten Augsburg und Venedig.

3000 Studenten halten Bozen jung

Wo Eisack und Etsch zusammenfließen, siedelten sich einst Dutzende Adlige an und errichteten prächtige Burgen. Mit seinen etwa 40 Anlagen weist das Bozner Becken die höchste Burgendichte Europas auf.

Von ihrem Erbe profitiert die Stadt noch heute: hier das urbane, geschäftige Treiben, dort die weiterhin zu bestaunenden Zeugnisse einer längst vergessenen Zeit.

Den Kern bildet die im 11. Jahrhundert erbaute Laubengasse, damals wie heute Keimzelle der Handelsmetropole. Unter den Laubenbieten sowohl Traditionsunternehmen als auch internationale Handelsketten ihre Waren an, konkurriert Mailänder Haute Couture mit Tiroler Trachtenmode.

Die etwa 3000 Studenten der Freien Universität bilden den Jungbrunnen der Stadt. In Bozen gibt es viele hippe Bars und Cafés, Galerien mit zeitgenössischer Kunst und überall trifft man auf Fahrräder, die die Stadt an Besucher sogar kostenlos verleiht.

Wem der Sinn eher nach Natur steht, kommt rund um Bozen auf seine Kosten. Das nah gelegene Sella-Gebirge hat das ganze Jahr für Frischluftliebhaber etwas zu bieten.

Vom Wandern durch idyllische Bergdörfer bis zu den Gipfeln der bleichen Berge. Im Winter wartet die Region als größtes Skigebiet der Welt mit 1200 Kilometern Piste auf.

Abseits der Piste warten Burgen und Museen darauf, erkundet zu werden. Wer fit ist, wagt den Anstieg zum Schloss Runkelstein, das über Bozen thront und vor allem wegen seiner um 1400 entstandenen Fresken mit Ritter- und Minnedarstellungen weithin berühmt ist.

"Ötzi" im Museum

Berühmt ist die Stadt auch eines schrumpeligen Einwohners wegen: Im Archäologiemuseum erzählt "Ötzi", die Mumie aus dem Eis, über sein Leben vor 5300 Jahren, von seiner sensationellen Entdeckung und dem, was sich daraus entwickelte.

Der echte "Ötzi" wird tiefgekühlt konserviert, im Museum ist eine detailgetreue Nachbildung mitsamt Kleidung und Bewaffnung zu bestaunen.

Bozen schließlich ist die italienischste Stadt Südtirols. Knapp 70 Prozent der Einwohner stammen aus Italien, der Rest spricht deutsch. Im Faschismus wurden viele Italiener aus dem Süden nach Bozen umgesiedeltund gleichzeitig deutsche Einwohner aus der Stadt vertrieben. Das prägt auch das heutige Bild.

Anders als in den Dörfern und kleineren Städten Südtirols sprechen die meisten Bozener Italienisch, gibt es in vielen Gaststätten und Restaurants seltener Gerstensuppe, Knödel, Nocken und Schlutzkrapfen als Pasta, Pizza und Scalopina.

Das ursprüngliche Südtirol wartet nur wenige Minuten von Bozen entfernt. Man muss vom Talkessel aus nur mit einer der drei Seilbahnen hinauf fahren zu den Wandergebieten von Jenesien, Ritten und Kohlerer Berg.

Hier ist es wieder, das Postkarten-Idyll: grasbewachsene Hügel, Burgen und Kirchen, schneebedeckte Berge und der weißblaue Himmel…

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