Ärztliche Allgemeine, 02.08.2004

Reisen ist gesund -- egal ob an die Ostsee oder in die Karibik

Reisen ist riskanter als zuhause zu bleiben. Das gilt vor allem für chronisch Kranke und alte Menschen, die durch die Anstrengungen einer Reise besonders belastet werden. Reisen gibt aber auch viel Lebensfreude. Gerade ältere Menschen hält Reisen geistig rege und wirkt einer drohenden Vereinsamung entgegen.

Die Angst vor Belastungen bei alten oder chronisch kranken Menschen auf Reisen verstellt häufig den Blick darauf, daß sich die allermeisten Reisen günstig auf die Gesundheit auswirken. Das hat auch eine Studie des Reisemedizinischen Zentrums am Bernhard-Nocht-Institut (BNI) in Hamburg ergeben (Epidem Bull 37, 2003, 299).

In der Untersuchung waren 1471 Menschen aus Deutschland in mehreren Interviews vor und nach einer Reise zur Gesundheitsvorsorge und zu Erkrankungen befragt worden. 60 Prozent der Teilnehmer hatten dabei Urlaub in Europa und 40 Prozent eine Fernreise gemacht.

Egal, ob es dabei in die Karibik, an die Ostsee oder nach Vorarlberg gegangen war: Nach dem Urlaub berichteten fast alle der Befragten über positive Veränderungen ihres Gesundheitszustands.

Auch die Tatsache, daß jeder zehnte Teilnehmer der Umfrage während der Reise einmal krank geworden war, änderte nichts an der positiven Einschätzung. Die angegebenen Gesundheitsstörungen wurden von den Befragten überwiegend als leicht bis mittelschwer bewertet. Generell sind ja Diarrhoe, Fieber, Atemwegsinfektionen und Hauterkrankungen die häufigsten Gesundheitsprobleme auf einer Reise.

"Aus Sorge, eine Reise in ein fremdes Land könne bei einem chronisch kranken oder älteren Menschen den Gesundheitszustand verschlechtern, raten Ärzte oftmals eher von einer Reise ab", ist die Erfahrung von Professor Erich Kröger vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf. "Ziel der ärztlichen Beratung sollte es aber sein, die Reise zu ermöglichen und sie medizinisch so gut es geht abzusichern", so Kröger bei einer Tagung zu Reisen mit chronischer Krankheit auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin.

Daß eine Reise für chronisch Kranke und alte Menschen ein positives Erlebnis wird, dazu kann eine gute reisemedizinische Beratung entscheidend beitragen. "Ein Arzt, der Risikogruppen berät, sollte aber nicht nur etwas von Medizin verstehen, sondern selbst andere Länder und Kulturen aus eigener Anschauung und Erfahrung kennen, um die gesundheitlichen Risiken einer Reise bewerten zu können", sagt Kröger.

Eine gute reisemedizinische Beratung beschränkt sich dabei nicht nur auf das Thema Impfungen. Es gilt, den Patienten ein Verständnis für vermeidbare Risiken auf der Reise zu vermitteln und die medizinischen Tips auf die persönliche Situation des Ratsuchenden abzustimmen. (eis)

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