Ärzte Zeitung, 02.03.2006

Schwangere sollten jetzt nicht nach La Réunion reisen

Chikungunya-Fieber / Keine offizielle Reisewarnung

NEU-ISENBURG (skh). Wegen der starken Ausbreitung des Chikungunya-Virus in La Réunion, Mauritius und den Seychellen melden Reiseveranstalter schon die ersten Stornierungen. Eine Reise zu stornieren, dafür gebe es bislang aber keinen Grund, kommentiert Professor Thomas Löscher, Leiter des Tropeninstituts der Universität München.

Aedes-Mücke: Auf der Insel La Réunion wird vor dem Überträger des Chikungunya-Virus gewarnt. Foto: dpa

Lediglich Schwangeren und Babys rät Löscher ab, die Inseln im Indischen Ozean zu besuchen, da die Infektion bei Neugeborenen dramatisch verlaufen kann. Die französische Tageszeitung "Libération" hatte von 27 infizierten Neugeborenen berichtet, die seit Beginn der Epidemie schwer erkrankt waren.

Auch alten und chronisch kranken Menschen könne man von einer Reise nach La Réunion abraten, so Löscher. Das Auswärtige Amt hat jedoch noch keine Reisewarnung für die Region ausgegeben.

Etwas kritischer sieht Dr. Burghardt Rieke vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf die Situation auf La Réunion. Die Lage lasse sich nicht eindeutig beurteilen, so Rieke im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Von vermeidbaren Reisen in das Zentrum der Epidemie würde er deshalb momentan abraten. Die bislang einzige Maßnahme gegen das Virus ist ein konsequenter Mückenschutz rund um die Uhr (wir berichteten). Das könne einen bis zu 90prozentigen Schutz bieten, so Rieke.

Berichte über Patienten, die das Chikungunya-Fieber mehrmals bekommen haben sollen, hält Löscher für Gerüchte. Solange keine validen Daten über Zweitinfektionen vorlägen, könne man davon ausgehen, daß eine Infektion eine langanhaltende Immunität hinterläßt.

Das Chikungunya-Virus aus der Familie der Flavoviren verursacht ein Dengue-ähnliches Krankheitsbild mit Fieber und Gelenkschmerzen. Es wird von Aedes-Stechmücken übertragen.

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