Ärzte Zeitung online, 09.12.2008

IGLU-Lesestudie: Thüringen auf Platz eins und Bayern auf Platz zwei

BERLIN (dpa). Viertklässler aus Thüringen können nach der neuen IGLU-Grundschulstudie am besten lesen und Texte verstehen. Mit knappen Abstand folgen danach die bayerischen Schüler. IGLU ist eine "Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung". Sie gehört neben PISA und TIMSS zu den drei weltweiten Schulstudien, an denen sich Deutschland derzeit beteiligt.

Den dritten bis sechsten Platz teilen sich nahezu fast punktgleich die vier Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern. Dann folgen das Saarland und Baden-Württemberg. Auf dem neunten Platz kommt Niedersachsen, danach Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Auf dem 13. Platz liegt Hessen, dann Berlin, Hamburg und Bremen. Aber selbst die Schlusslichter unter den deutschen Bundesländern erreichen alle noch Punktwerte im Rahmen des internationalen Leistungsniveaus, berichtet dpa. Der neue IGLU-Bundesländervergleich, der offiziell an heutigen Dienstag in Berlin vorgestellt wird, lag dpa bereits vor.

Deutschland hatte mit seinen Grundschulen bei der internationalen Wertung, die bereits vor einem Jahr veröffentlicht wurde, einen guten elften Platz belegt und das obere Leistungsdrittel erreicht. IGLU testet das Lese- und Textverständnis bei den Grundschülern. Dieses gilt als Basiskompetenz für weiteres Lernen. Es wird untersucht, ob Schüler Gelesenes auch verstanden haben und daraus richtige Schlussfolgerungen ziehen können.

Die IGLU-Gesamtauswertung vor einem Jahr hatte erneut die in Deutschland besonders ausgeprägte Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft belegt. Danach bekommen Kinder aus der Oberschicht selbst bei unterdurchschnittlichen Grundschulleistungen in der Regel viel leichter eine Empfehlung zum Besuch des Gymnasiums als hoch begabte Kinder aus der Unterschicht. Länderdaten dazu bleiben in der neuen Veröffentlichung am Dienstag auf Wunsch der Kultusminister allerdings ausgespart. Sie werden erst im Frühjahr von den Wissenschaftlern in Fachbüchern publik gemacht. Zugleich wurde auch die Wirkung von Ganztagsunterricht auf die Leseförderung untersucht.

Deutschland hatte sich 2001 erstmals an IGLU beteiligt. Damals ließen allerdings nur sechs Bundesländer ihre Daten gesondert ausweisen. Dies waren Bayern, Bremen, Brandenburg, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen. Bei dem jüngsten Test im Frühjahr 2006 machten alle Bundesländer mit. Bis auf Hessen konnten sich alle Länder, die auch beim ersten Test teilgenommen hatten, leicht verbessern. Insgesamt hatten in Deutschland 12 000 Schüler an IGLU teilgenommen - international über 400 000.

GEW: Deutsche Grundschule Maßstab für andere Schulformen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in den Ergebnissen des neuen IGLU-Grundschultests einen weiteren Beleg für die Notwendigkeit einer umfassenden Schulreform in Deutschland. "Es ist erfreulich, wie gut Viertklässler in allen Bundesländern bei dem Test abschneiden", sagte die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer am Dienstag zur dpa. Der Erfolg der deutschen Grundschulen auch im internationalen Vergleich zeige, "dass auch in Deutschland der Weg zur Weltspitze möglich ist - sofern die Lernbedingungen stimmen".

Die GEW-Vizevorsitzende reagierte damit auf die am Montag auf die vorab bekannt gewordenen Ergebnisse des innerdeutschen Bundesländervergleichs der IGLU-Grundschulstudie. Sie soll an diesem Dienstag in Berlin offiziell vorgestellt werden. Die Studie liegt dpa vor. Danach können Viertklässler aus Thüringen am besten lesen und Texte verstehen. Mit knappen Abstand folgen danach die bayerischen Schüler. Aber auch die anderen Bundesländer liegen mit ihren Leistungen dicht beieinander. Selbst Schlusslichter in dem Grundschul-Bundesländervergleich - wie Bremen - erreichen noch immer internationale Durchschnittswerte.

Demmer sagte, es sei um so auffälliger, wie stark später die 15- Jährigen aus Deutschland bei internationalen Schulvergleichen mit ihren Leistungen einbrechen. Die GEW-Vize führt dies vor allem "auf die unsinnig frühe Aufteilung" zehnjähriger Kinder auf unterschiedlich anspruchsvolle Schulformen zurück. "Kinder müssen möglichst bis zum Ende der Pflichtschulzeit voneinander und miteinander lernen können - und nicht in Schubladen einsortiert werden". Im weltweiten Vergleich werden nur noch in Deutschland und Österreich Kinder bereits im Alter von zehn Jahren auf unterschiedliche Schulformen verteilt.

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