Ärzte Zeitung, 11.02.2009

Deutsche Privatschulen erleben starken Zuspruch von Eltern und Schülern

Immer mehr Schüler in Deutschland besuchen eine Schule in freier Trägerschaft. Der Wachstumstrend im Bereich der privaten Bildungseinrichtungen scheint ungebrochen.

Von Karla Altenburg

Lernen in kleinen Gruppen und mit intensiver Betreuung: Privatschulen werden in Deutschland beliebter.

Foto: imago

Knapp acht Prozent aller Schüler in Deutschland gehen an eine Privatschule. Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamts waren im Schuljahr 2007/2008 insgesamt 674 892 Schüler an einer allgemein bildenden und 237 408 an einer berufsbildenden Schule in freier Trägerschaft angemeldet. Im gleichen Zeitraum stieg auch die Zahl der Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft: Knapp 5000 freie Schulen zählte das Statistische Bundesamt in Deutschland - im Vergleich zum Vorjahr sind das rund fünf Prozent mehr.

Der deutlichste Anstieg ist im Bereich der allgemein bildenden Schulen zu verzeichnen: Insgesamt 153 Neuzugänge vermeldet die Statistik, davon allein 66 Grundschulen.

Wunsch der Eltern nach mehr Alternativen

"Der große Zuwachs an Privatschulen verdeutlicht das steigende Interesse an freier Bildung", sagt die Bundesgeschäftsführerin des Verbands Deutscher Privatschulverbände (VDP), Julia Schier über die Ergebnisse. Die aktuelle Statistik spiegele den Elternwunsch nach mehr Alternativen und Pluralität im Schulsystem wider. "Viele Eltern wünschen sich eine größere Vielfalt und vor allem eine persönlichere Förderung ihrer Kinder", so Schier. Besonders an freien Schulen würden neue Wege beschritten werden. "Damit gibt es die Möglichkeit, individuell auf die Kinder einzugehen."

Der VDP vertritt freie Bildungseinrichtungen im allgemein bildenden und berufsbildenden Schulbereich sowie in der Erwachsenenbildung und im tertiären Bereich. Auch private Fachhochschulen und Hochschulen werden von dem 1901 gegründeten Verband vertreten. Er bindet seine Mitglieder nicht weltanschaulich, konfessionell oder parteilich. Der VDP gehört zu der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen, in der auch die beiden konfessionellen Privatschulverbände, der Bund der freien Waldorfschulen sowie die Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime vertreten ist.

Obwohl die Nachfrage zu den Alternativen im staatlichen Schulsystem steige, sieht Schier vom VDP den Trend an einer anderen Stelle: "Der eigentliche Boom spielt sich derzeit noch auf den Wartelisten ab." Denn die Gründung einer Schule in freier Trägerschaft sei wegen bürokratischer und finanzieller Hürden weiterhin schwer. "Daher hinkt in Deutschland das Angebot der Nachfrage hinterher."

Mehr Geld und weniger bürokratische Hürden

Um allen Kindern - ungeachtet der finanziellen Hintergründe der Eltern - den Zugang zu freien Schulen zu ermöglichen, fordert der Verband mehr finanzielle Hilfen für freie Schulen. "Nur so können die Schulgelder sozial verträglich gestaltet werden", sagt Schier. Außerdem fordert die Geschäftsführerin des Verbandes weniger Hindernisse für Schulgründer - sei es für konfessionelle Schulen oder bei freien Waldorfschulen.

Da es einen deutlichen Anstieg an Privatschulen gebe, sieht sich Schier in ihrer Arbeit bestätigt. "Wir gehen davon aus, dass der Wachstumstrend bei freien Schulen auch in Zukunft anhalten wird."

Ein Grund für den Boom der Privatschulen kann sich aus der Unzufriedenheit mit dem staatlichen Bildungswesen ableiten, den Meinungsforscher festgestellt haben. Das Ansehen habe gelitten, nicht erst seit dem Pisa-Schock in den vergangenen Jahren, so die Forscher.

Allerdings ist nicht bewiesen, ob Schüler in privater Obhut tatsächlich besser lernen. Studien weisen eher darauf hin, dass der Bildungserfolg nicht größer ist als an öffentlichen Schulen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass sich die Schülerschaft ähnlich zusammensetzt. Doch hier sind die Privatschulen oft im Vorteil: Sie werden vor allem von Kindern aus bildungsnahen Familien besucht.

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