Ärzte Zeitung online, 09.02.2009

Schavan sieht "ärgerliche Defizite" bei Hochschulzulassung

BERLIN (dpa). Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht beim gegenwärtigen System der Studienzulassung in Numerus-clausus-Fächern (NC) ärgerliche Defizite. In der Samstagausgabe der "Neuen Osnabrücker Zeitung" verteidigte sie aber dennoch die Studentenauswahl durch die Hochschulen.

Dabei warnte die Ministerin vor Übertreibungen. Aussagen aus der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), dass wegen fehlender Koordinierung bis zu 20 Prozent der Anfängerplätze in den Mangelfächern durch Doppeleinschreibungen frei blieben, bezeichnete sie als "aus der Luft gegriffen".

Schavan hat für diesen Montag die Kultusministerkonferenz (KMK) sowie Vertreter der HRK und der Dortmunder Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) zu einem Krisengespräch nach Berlin eingeladen. Hintergrund ist ein monatelanger Streit mit gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Hochschulrektoren und der ZVS über einen von den Ländern angestrebten Datenabgleich über die Bewerbungen (wir berichteten). Die Zulassungsprobleme in den Fächern mit örtlichen Zulassungsbeschränkungen sind seit 2004 bekannt und haben in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen.

Die Bundesbildungsministerin will nun externe Computerspezialisten des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik einschalten, die der ZVS professionell Hilfe leisten sollen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat allerdings wegen des anhaltenden Streits über die Zulassung eine von Schavan bereits zugesagte Bundeshilfe im Umfang von 15 Millionen Euro vorläufig gesperrt.

Schavan wies zugleich Vorwürfe der SPD zurück, sie habe die Probleme bei der Hochschulzulassung seit Jahren ignoriert und es versäumt, mit einem Bundesgesetz einheitliche Regelungen zu schaffen. Die Ministerin: "Das fußt auf der rückwärtsgewandten Annahme, Steuerung von oben sei immer das richtige Mittel."

Lesen Sie dazu auch:
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