Ärzte Zeitung online, 08.09.2009

OECD: Trotz Krise noch mehr in Bildung investieren

BERLIN (dpa). Die OECD hat trotz der Krise von Deutschland mehr Investitionen in Bildung verlangt. "Wenn die Bundesrepublik gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren", sagte OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger am Dienstag bei der Vorlage des weltweiten Bildungsberichts 2009 in Berlin.

Dies gelte sowohl für die Erstausbildung als auch für die Weiterbildung. Bildung sei der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit Sitz in Paris berät die 30 wichtigsten Industriestaaten.

Trotz leichter Verbesserungen liegt Deutschland laut Bericht mit seinem Bildungssystem international weiter zurück. So erwerben in anderen Industrieländern deutlich mehr junge Menschen einen Hochschulabschluss. Ebenso beteiligen sich dort erheblich mehr Ältere an hoch qualifizierter Weiterbildung. Auch der Anteil der Bildungsausgaben am Brutto-Inlandsprodukt ging in Deutschland erneut leicht zurück, während andere Industrienationen Zuwachs melden.

2007 schlossen in Deutschland 23 Prozent eines Jahrganges ein Studium erfolgreich ab. 1995 waren es erst 14 Prozent. International stieg aber im gleichen Zeitraum diese Akademikerquote unter den jungen Menschen viel rasanter an - und zwar von 18 auf 36 Prozent. Selbst wenn man höherwertige Berufsausbildungen in Technik und Pflege einbeziehe, die in Deutschland in Betrieben oder Fachschulen erfolgt, im Ausland dagegen an Hochschulen, ergebe sich im internationalen Vergleich kaum ein anderes Bild.

Dabei zahlt sich eine Hochschulausbildung laut OECD-Bericht auch in Deutschland aus. Ein männlicher Hochschulabsolvent kann während seines Berufslebens mit einem Einkommensvorteil von durchschnittlich 150 000 Euro rechnen - nur etwas weniger als im OECD-Schnitt. Wegen des viel geringeren Risikos, arbeitslos zu werden, komme eine weitere "Rendite" von 32 000 Euro hinzu. Für Frauen liegt der Einkommensbonus einer akademischen Ausbildung wegen niedrigerer Löhne und höherer Teilzeitquoten im Schnitt bei 95 000 Euro.

2008 haben laut OECD in Deutschland 36 Prozent eines Jahrganges ein Studium aufgenommen. Nach der Türkei, Belgien und Mexiko ist das im internationalen Vergleich der geringste Wert. Dabei brechen allerdings in Deutschland deutlich weniger junge Menschen ein Studium ab. 2005 lag die Abbrecherquote bei 23 Prozent, im OECD-Mittel dagegen bei 31 Prozent. Ischinger geht davon aus, dass die Umstellung auf die Bachelor- und Masterstudienabschlüsse die Abbrecherquoten noch weiter reduzieren wird. "Einige Signale aus den vergangenen Jahren sind positiv."

Die öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildung lagen 2006 laut Bericht in Deutschland bei 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - und sind damit gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozentpunkte gefallen. Im gleichen Zeitraum stieg der OECD-Mittelwert von 5,4 auf 5,5 Prozent. Unter den OECD-Ländern gaben 2006 nur die Türkei, die Slowakei, Spanien, Irland und Russland einen geringeren BIP-Anteil für Bildung aus. In den USA liegt der Anteil bei 7,4 Prozent, in Korea und Dänemark bei 7,3.

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