Ärzte Zeitung, 17.03.2016

Medizinstudenten

Herzdruckmassage für Grundschüler

Stabile Seitenlage, Herzdruckmassage und mehr: Grundschüler bekommen von Medizinstudenten der Charité beigebracht, wie sie Menschen in akuten Notlagen helfen können.

Von Philipp Humbsch

Grundschüler lernen von Medizinstudenten

Wiederbelebung lernen an Reanimationsphantomen: Schüler aus Brandenburg zeigten vollen Köpereinsatz.

© Philipp Humbsch

BERLIN. "Das machen die besser als unsere Erstis." Anne Nasert, Studentin der Charité, hat schon einigen Menschen erste Kenntnisse in der Ersten Hilfe beigebracht, Kinder im Grundschulalter gehörten bisher eher selten dazu.

Vor Kurzem hat die 23-Jährige aus Eisenhüttenstadt in Brandenburg auch bei dem Projekt "Jeder kann ein Held sein" des Jugendfördervereins Frankfurt/Oder mitgewirkt.

Mit dabei waren insgesamt neun Studenten der Charité, die schon während der Studienzeit ihre erworbenen Kenntnisse außerhalb der Universität sinnvoll anwenden wollten.

Kinder motivierter als Studenten

Ziel des Projektes ist die Verbreitung von Kenntnissen der Ersten Hilfe. Ein Ziel, dem sich auch die Charité-Studenten verpflichtet fühlen: "Wir haben in unserem sechsten Semester ein Modul, in dem wir als Erste-Hilfe-Ausbilder für die Erstsemester fungieren, auch das war für mich bereits spannend", berichtet Nasert.

Im Projekt teilten sich die Studenten der Charité die Klassen einer brandenburgischen Grundschule untereinander auf.

Anne Nasert bekam eine dritte Klasse zugeteilt. Die Schüler haben sich nach ihrer Einschätzung richtig gut angestellt: "Ich habe den Eindruck, dass die Kinder wesentlich motivierter bei der Sache sind, und gemessen daran, dass die Grundschüler noch nicht einmal halb so alt sind wie unsere Erstsemester, waren die Kleinen definitiv besser."

Die Medizinstudentin kann sich gut vorstellen auch beruflich zu unterrichten: "Ich musste mich nach dem Abitur zwischen Grundschulpädagogik und Medizin entscheiden. Als für mich dann fest stand, dass es Medizin wird, hieß das aber nicht, dass ich eine Zukunft als Lehrerin völlig aufgegeben habe."

So spiele sie mit dem Gedanken, sich nach dem Medizinstudium für den Master in Medizinpädagogik an der Charité einzuschreiben, danach will sie neben ihrer ärztlichen Tätigkeit in der Ausbildung für Krankenpfleger arbeiten.

Spaß bei Grundschülern

Bei der Aktion in der Grundschule im brandenburgischen Briesen (Mark) wurden 290 Schüler in Erster Hilfe ausgebildet. Organisiert wurde die Ausbildung vom Jugendförderverein in Frankfurt/Oder, der noch weitere Aktionen dieser Art plant.

Anne Nasert will auf jeden Fall wieder mitmachen: "Die Grundschüler haben mir echt das Gefühl gegeben, Spaß bei dem zu haben, was wir ihnen beibringen konnten."

Sie zog dabei Vergleiche zu ihren eigenen Erste-Hilfe-Kursen, wie jenem für den Führerschein oder für ihre Stelle im Krankenhaus in Eisenhüttenstadt im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ), bei denen die Hälfte der Teilnehmer unmotiviert und unkonzentriert die Zeit abgesessen habe, allein für die Teilnahmebescheinigung am Ende.

"Von den Lehrern haben wir erfahren, dass einige Schüler zu Hause den Erste-Hilfe-Kasten geplündert und die eigenen Eltern in die stabile Seitenlage gelegt haben."

Wichtig war für sie, dass bei den Schülern auch etwas von dem Stoff hängen bleibt: "Die Grundschüler konnten viel mitnehmen, und darauf kam es uns Studenten an."

Entschädigung wollte keiner

Die Ausbildung konnte der Jugendförderverein völlig ohne finanzielle Beteiligung der Schulen stemmen, auch weil die Unfallkasse Brandenburg die Reanimationsphantome stellte, und das Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin viele der übrigen Kosten übernahmen.

Eine Aufwandsentschädigung wollte keiner der Ausbilder: "Es ging nicht um Geld. Wir haben Semesterferien, und daher ging es uns Studenten nach dem Prüfungsstress auch darum, mal was völlig anderes zu machen, und dieser Tausch der Rolle vom Lernenden zum Lehrenden hat da gut reingepasst."

Außerdem bekamen die Ausbilder gute Rückmeldungen durch Lehrer, Eltern und natürlich die Schüler selbst: "Nach den drei Tagen Ausbildung in der Grundschule mussten uns die Schüler die Reanimation vorführen, und das, was die uns zeigen konnten, hat uns ehrlich begeistert."

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