Ärzte Zeitung, 05.08.2016

Olympia

Zika-Angst trübt die olympische Freude

Einige Sportler verzichten wegen des Zika-Virus auf Olympia. Die brasilianische Ärztegewerkschaft warnt, die Gefahr herunterzuspielen.

Von Manuel Meyer

Zika-Angst trübt die olympische Freude

Hier präsentieren sich die zehn Sportler, die für das Flüchtlingsteam an den Start gehen, auf einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro.

© Zumapress.com/dpa

RIO DE JANEIRO. Ob Golfer, Segler, Springreiter, Marathonläufer oder Fünfkämpfer. Es gibt kaum einen Profisportler, der sich nicht ein Mal bei Olympischen Spielen mit den Besten der Welt messen möchte.

Doch in diesem Jahr ordnen einige Sportler den olympischen Gedanken vom "Dabei sein ist alles" der Sorge um ihre Gesundheit unter.

Dutzende Athleten haben ihre Teilnahme an den am Freitag in Rio de Janeiro beginnendenOlympischen Spielen abgesagt.

Auch viele Zuschauer wollen die diesjährige Olympiade in der brasilianischen Küstenmetropole lieber vom heimischen Fernseher verfolgen. Sie fürchten das seit Anfang 2015 in Brasilien grassierende Zika-Virus.

Medizinische Fachwelt ist uneins

Während Top-Sportler wie Rafael Nadal, Usain Bolt oder Novak Djokovic trotz des Virus bei den Sommerspielen in Rio antreten, verzichten andere Athleten wie US-Radprofi Tejay van Garderen wegen der Ansteckungsgefahr bewusst auf ihre Teilnahme.

Auch der nordirische Golfprofi Rory McIlroy sagte ab: "Nachdem ich mit meinen engsten Vertrauten gesprochen habe, ist mir klargeworden, dass meine Gesundheit und vor allem die meiner schwangeren Frau zu allererst kommt. Auch wenn die Gefahr einer Zika-Infektion als gering eingeschätzt wird, ist es dennoch ein Risiko."

Dabei hat vor allem auch die Diskussion in der Fachwelt zur Verunsicherung vieler Athleten und Zuschauer beigetragen. Einige Mediziner erklären, die Angst vor der Krankheit sei größer, als sie sein müsste. Das Virus sei für die meisten relativ harmlos und mache sich abgesehen von leichtem, kurzzeitigen Fieber und Hautausschlag kaum bemerkbar.

Andere Wissenschaftler weisen jedoch auf durchaus ernstzunehmende Krankheitsbilder hin, die durch den Erreger ausgelöst werden können.

So kann das Virus zum Beispiel das Guillain-Barré-Syndrom auslösen. Die gleiche Mücke ist in Brasilien für viele Dengue-Erkrankungen und Chikungunya verantwortlich.

"Keine effektive Bekämpfung"

Nachdem internationale Virologen und Gesundheitsexperten im Vorfeld bereits eine Verlegung der Olympischen Spiele forderten, damit sich die Zika-Epidemie durch die fast halbe Million ausländischer Olympia-Besucher nicht noch weiter auf der Welt ausbreite, richtete sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO ein Notfall-Komitee ein.

Dieses gab Ende Mai jedoch Entwarnung. Das Aufkommen der Aedes-Stechmücken, die das Zika-Virus überträgt, sei während des brasilianischen Winters von Juni bis September äußerst gering, erklärte David Heymann, Chef des WHO-Komitees.

Dennoch riet die WHO Schwangeren und Frauen, die eine Schwangerschaft planen, von einer Reise nach Brasilien ab, da das Zika-Virus bei Föten die Schädelfehlbildung Mikrozephalie auslösen kann.

Männern, die aus Rio zurückkommen und sich mit Zika angesteckt haben könnten, ohne es zu merken, wird zu mindestens acht Wochen Safer Sex geraten. Tropenmediziner weisen darauf hin, das Virus sei im Sperma und im Urin in einigen Fällen über mehrere Wochen feststellbar und damit ansteckend.

Der Deutsche Olympische Sportbund legt seinen Athleten während des Aufenthalts in Rio den Gebrauch von Mückensprays sowie das Tragen von langärmliger Kleidung nahe. Im olympischen Dorf werden außerdem in allen Zimmern Moskitonetze vorhanden sein.

Auch sollten die deutschen Sportler die Nähe zu stehendem Wasser meiden, wo sich die Mücken leichter vermehren.

Mit Nationalstolz bekämpfen

Auch Rios Bürgermeister Eduardo Paes will beruhigen: "Obwohl es wetterbedingt während der Olympischen Spiele weniger Mücken gibt, haben wir im olympischen Dorf und in den Spielstätten mehr als 3000 Beamte im Einsatz, die sich täglich dem Kampf gegen die Aedes aegypti-Mücke widmen", versicherte Paes der "Ärzte Zeitung".

Jorge Darze, Sprecher der brasilianischen Ärztegewerkschaft SinMed, glaubt jedoch, dass dies kaum ausreichen wird. Es habe in Brasilien niemals eine effektive Kontrolle und Bekämpfung des Zika-Virus gegeben. Schlimmer noch.

"Zeitweise gab Präsidentin Dilma Rousseff den Eindruck, sie wollte das Virus mit Nationalstolz bekämpfen", spielt Darze ironisch auf eine aktuelle Regierungskampagne an.

Während Gelder für Larvenvernichtungsmittel fehlten, wurden landesweit Plakate mit dem Aufdruck "Eine Stechmücke ist nicht stärker als ein ganzes Land" ausgehängt. Er will keinen Alarm schlagen.

"Aber in Rio haben wir tropisches Klima. Auch im Winter können die Temperaturen plötzlich auf 28 Grad steigen und die Mücken schlüpfen, dessen Eier in unserem feucht-warmen Klima bis zu einem Jahr fruchtbar sind. Das ist eine Art Zeitbombe".

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