Ärzte Zeitung, 19.04.2004

Auch Querschnittgelähmte brauchen Ausdauersport

Inaktivität fördert KHK und Diabetes mellitus

FREIBURG (ner). Die meist ausgeprägte körperliche Inaktivität von Menschen mit Querschnittlähmung ist mit einer erhöhten kardiovaskulären und diabetogenen Gefährdung verbunden, warnen Freiburger Rehabilitationsmediziner. Sie empfehlen den Patienten angepaßte Ausdauersportarten.

In Abhängigkeit von der Lähmungshöhe wiesen querschnittgelähmte Menschen ungünstige Lipidprofile, periphere Insulin-Resistenz und eine erhöhte Inzidenz für koronare Herzkrankheit und Diabetes mellitus auf. Darauf weisen Privatdozent Andreas Schmid und Dr. Aloys Berg von der Abteilung für rehabilitative und präventive Sportmedizin der Universität Freiburg hin (Dtsch Ztschr f Sportmed 4, 2003, 342).

Schäden des zervikalen Rückenmarks führten darüber hinaus zu einer Unterbrechung praktisch aller präsynaptischen sympathischen Fasern mit Störung der sympathischen Innervation des Herzens und des Nebennierenmarks. Dies verändere auf vielfältige Weise kardiozirkulatorische, metabolische und hormonelle Mechanismen der Körperreaktion auf Belastungen.

Vorbeugend empfehlen Schmid und Berg moderate Belastungsintensitäten im Bereich der aeroben Schwelle (Laktat um 4 mmol/l, 36 mg/dl). Die Intensitätsbereiche sollten individuell durch eine Belastungsuntersuchung auf dem Rollstuhlergometer, im Sportrollstuhl auf dem Laufband oder per Handkurbelergometrie festgelegt werden. Bei Paraplegikern könne dazu auch die Herzfrequenz dienen, da das Verhalten von Herzfrequenz und Laktat im Vergleich zu Gesunden ähnlich sei.

Als Sportarten empfehlen die Rehabilitationsmediziner drei- bis viermal wöchentlich Fahren im Rollstuhl oder im Rennrollstuhl, Hand-Bike oder Schwimmen für jeweils 30 bis 60 Minuten. Auch das wettkampfmäßige Basketballspiel sei sehr geeignet.

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