Ärzte Zeitung, 12.05.2004

Bei kleinen Leistenhernien Erfolg mit minimal-invasiver Op

Shouldice-Verfahren durch Minimal-Repair-Technik verfeinert / Patienten sind bereits nach wenigen Wochen wieder voll belastbar

MÜNCHEN (wst). Was sich bei Leistungssportlern mit Leistenbruch bewährt hat, sollte auch normalen Patienten mit einer solchen Problematik helfen: Die im Münchener Hernienzentrum von Dr. Ulrike Muschaweck perfektionierte Shouldice-Technik erlaubt den unter Lokalanästhesie operierten Patienten, die Klinik noch am Tag des Eingriffs wieder zu verlassen.

Und: Schon nach wenigen Wochen ist wieder die volle Belastbarkeit gegeben. Der kanadische Chirurg Earl Shouldice hat bereits vor knapp 60 Jahren eine unter Lokalanästhesie mögliche netzfreie Operationstechnik für Leistenbrüche entwickelt. Das hat der Sohn des Chirurgen Dr. Byrnes Shouldice von der gleichnamigen Klinik in Toronto bei einem Symposium zum zehnjährigen Bestehen des Münchener Hernienzentrums von Dr. Ulrike Muschaweck gesagt.

Das Besondere der Shouldice-Methode ist eine spezielle Nahttechnik. Dabei wird das schwache Areal der Leiste verstärkt, indem jede der drei Muskelschichten der Bauchdecke separiert und über der Bruchlücke gedoppelt vernäht wird.

Diese Technik erhält die Verschiebbarkeit der einzelnen Muskelschichten, reduziert damit den Spannungszug und erlaubt eine rasche Belastbarkeit. Trotz ihrer Vorzüge, hat die Shouldice-Technik erst vor etwa 18 Jahren begonnen, in Europa Fuß zu fassen, wie auf der vom Unternehmen Ethicon unterstützten Veranstaltung in München zu hören war.

Im Münchner Hernienzentrum ist das Shouldice-Verfahren optimiert worden: Hier versucht man, die Operationsläsionen - dem individuellen Befund angepaßt - so klein wie möglich zu halten und intakte Strukturen weitgehend zu schonen, erklärte Gastgeberin Muschaweck.

Der Einsatz der sogenannten Minimal-Repair-Technik, die sich besonders für Patienten mit leichteren Brüchen oder einer weichen Leiste, das heißt einer schmerzprovozierenden umschriebenen Schwachstelle in der Leistenhinterwand, eignet, verspricht die schnellste Rückkehr in den beruflichen und sportlichen Alltag.

Nach dieser Shouldice-Methode behandelte Leistungssportler - prominente Beispiele aus Muschawecks Patientenliste sind zum Beispiel die Fußballstars Oliver Kahn, Bruno Labbadia und Thomas Helmer - beginnen üblicherweise schon zwei bis drei Tage nach dem Eingriff wieder mit ihrem Training. Und nach etwa 14 Tagen sei bereits die volle Belastbarkeit der Patienten wieder hergestellt, so Muschaweck.

STICHWORT

Leistenbruch-Operation

Bei Leistenbruch-Operationen nach der Shouldice-Methode handelt es sich um netzfreie Verfahren. Das Bestreben vieler Chirurgen, jedem Patienten - ungeachtet von Alter und Schwere des Befundes - ein Kunststoffnetz über die Bruchpforte zu nähen, kritisierte der Pathologe Bernd Klosterhalfen vom Städtischen Krankenhaus Düren. Netze seien Fremdkörper, die vor allem bei nicht optimaler Plazierung Probleme bereiten könnten. Vor allem bei großen Brüchen und schwacher Bauchdecke könne der Einsatz von Netzen aber vorteilhaft sein.

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