Ärzte Zeitung, 06.08.2004

HINTERGRUND

Für Athleten und Zuschauer bei Olympia gilt: langsam an die Hitze anpassen und trinken, trinken, trinken!

Vor dem Ticket-Stand am Kallimarmaro-Stadium in Athen hat sich eine Besucher-Schlange gebildet. Foto: dpa

Von Angela Speth

In einer Woche beginnen in Athen die XXVIII. Olympischen Spiele. Größtes Problem könnte für manchen dort die Hitze sein. Eine Broschüre, im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft erstellt und eigentlich für die Teilnehmer der Olympischen Spiele gedacht, liefert wertvolle Tips auch für jene, die bequem im Schatten sitzen.

Ungefähr ein bis zwei Wochen braucht der Organismus, um sich an hohe Temperaturen zu gewöhnen. Das läßt sich an Sportlern beobachten, die täglich in der Hitze trainieren: Die Körperkerntemperatur steigt von Tag zu Tag langsamer, die Zunahme der Herzfrequenz fällt geringer aus, die Trainingsdauer verlängert sich. Ursache ist ein effektiveres Schwitzen: Es setzt schon bei niedrigerer Temperatur ein, die Menge an Schweiß nimmt zu und dessen Natriumgehalt ab.

Grad der Hitze-Empfindlichkeit hängt von vielen Faktoren ab

Wie empfindlich jemand auf Hitze reagiert, hängt von der körperlichen Leistungsfähigkeit ab, wahrscheinlich auch von der Veranlagung. Schlafmangel, Infekte oder eine Schilddrüsenfehlfunktion können ebenfalls die Hitzeverträglichkeit verschlechtern. Auch der weibliche Zyklus hat einen Einfluß. In der Lutealphase ist die Körperkerntemperatur um 0,4 Grad erhöht, so daß Mechanismen wie Schwitzen später einsetzen. Ähnlich wirken Alkohol und manche Medikamente.

Hitzeerkrankungen treten auf, wenn die Körperwärme nicht mehr ausreichend abgegeben werden kann. Hitzekrämpfe etwa sind die Folge von hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlusten bei schwerer Arbeit oder Ausdauersport. Sie entstehen zunächst in der beanspruchten Muskulatur, dann auch in Magen und Darm. Gegenmaßnahmen sind: kühle Umgebung, isotone Getränke.

Dasselbe Vorgehen ist angezeigt bei der Hitzeerschöpfung, die ebenfalls durch Wasser- und Elektrolytverlust bei Anstrengungen entsteht. Typisch sind heftiges Schwitzen, kühle, feuchte Haut, erhöhte Körpertemperatur, Schwäche, Müdigkeit, schwacher Puls und niedriger Blutdruck, bis hin zu Kreislaufstörungen und Schock.

Der Sonnenstich ist eine milde Form des Hitzschlags, ausgelöst durch starke Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf. Die Symptome sind vorwiegend zentral bedingt: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Unruhe und Nackensteife. Die Körpertemperatur beträgt mehr als 40 Grad, die Haut ist trocken, rot und überwärmt. Beim ausgeprägten Hitzschlag wiederum wirkt der Patient geschwächt, hat eine hohe Pulsfrequenz, Bewußtseinsstörungen bis zu konfusen Reaktionen und zerebralen Krämpfen. Schocklagerung, Kühlung, Wasser- und Elektrolytzufuhr sind erforderlich.

Der Hitzekollaps, eine Orthostase-Störung, tritt auf, wenn man bei Hitze lange reglos auf einem Fleck verharrt. Typisch ist der plötzliche Schwindel mit Kollapsneigung oder tatsächlicher Bewußtlosigkeit ohne erhöhte Körperkerntemperatur. Als Maßnahmen reichen der Wechsel in kühle Räume, Flachlagerung und Überwachung.

Wie soll man sich bei großer Hitze verhalten? Die Experten vom Deutschen Sportinstitut haben hier einige Tips: Schattige Plätze mit ausreichender Luftzirkulation sind zu bevorzugen. Klimaanlagen sollten nicht zu kalt gestellt oder während der Anwesenheit ganz abgestellt werden, auch deshalb, weil ihre trockene Luft die Schleimhäute reizt. Günstig ist helle Kleidung, eher eng anliegend, wenn es sich um dünnes feuchtigkeitsaufsaugendes, atmungsaktives Gewebe handelt, sonst locker. Ratsam sind ferner Kopfbedeckung mit Nackenschutz, Creme mit hohem Lichtschutzfaktor und Sonnenbrille.

In den ersten fünf Hitzetagen ist bei Anstrengungen wegen der noch unzureichenden Akklimatisation Vorsicht geboten. Danach können Sportler schrittweise mit einem Training beginnen. Das Wichtigste ist: trinken, trinken, trinken, und zwar bis zu drei Liter mehr als sonst.

Auf Kaffee, Cola und Alkohol sollte man bei Hitze verzichten

Nach der Hitzeanpassung ist der Flüssigkeitsbedarf eher noch höher. Damit der Körper das Wasser besser speichern kann, ist ein Natriumgehalt von 400 bis 1000 mg/Liter ratsam. Empfehlenswert sind Fruchtsaftschorlen, kühl, aber nicht eiskalt, und kohlensäurearm. Kaffee, schwarzer Tee, Cola und Alkohol sind zu meiden, da sie harntreibend wirken. Eine dunkle Farbe des Urins ist ein Zeichen für konzentrierte Nierenausscheidung und somit Flüssigkeitsmangel. Durst ist ein schlechtes Signal, denn er tritt erst spät auf.

Zur Ernährung eignet sich die mediterrane Küche mit viel Obst und Gemüse, da dies Kaliumverluste durch Schwitzen ausgleicht.

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