Ärzte Zeitung, 13.10.2004

Extrakorporale Stoßwellen helfen Patienten mit Tennisellbogen

Signifikante Schmerzreduktion nach dreiwöchiger Therapie / Kontrollierte Studie

MAINZ (ner). Mainzer Orthopäden haben erneut Erfolge mit der extrakorporalen Stoßwellen-Therapie (ESWT) bei Patienten mit chronischer Epikondylitis (Tennisellenbogen) erzielt. Dennoch bleibt die Behandlungsmethode umstritten.

Bei dieser Patientin mit chronischen Schmerzen wird das Schmerzzentrum punktgenau mit extrakorporalen Schallwellen beschossen. Foto: dpa

78 Tennisspieler, bei denen eine chronische Epikondylopathie per MRT nachgewiesen wurde, haben Professor Jan-Dirk Rompe und seine Kollegen von der Orthopädischen Uniklinik in Mainz einmal wöchentlich für insgesamt drei Wochen mit niedrigenergetischer ESWT oder nur zum Schein mit ESWT behandelt (Placebo-Gruppe). Eine zusätzliche Lokalanästhesie oder Behandlung mit nichtsteroidalen Antiphlogistika war verboten.

Nach drei Monaten registrierten die Orthopäden bei den Patienten mit ESWT eine signifikante Schmerzreduktion, die auch mit verbesserten Funktionstests einherging. 65 Prozent der Patienten mit ESWT konnten wieder ihren gewohnten Aktivitäten nachgehen. In der Vergleichsgruppe war dies dagegen nur bei 33 Prozent der Patienten möglich (Am J Sports Med 32, 2004, 734).

Dieses Ergebnis entspreche in etwa den Resultaten aktueller US-amerikanischer Untersuchungen, argumentieren die Mainzer Orthopäden. Dazu gehöre unter anderem eine kontrollierte Studie der US-Zulassungsbehörde FDA. Allerdings gebe es auch Untersuchungen, in denen unter ESWT kein stärkerer Effekt als mit Placebo erzielt werden konnte. Diese Studien seien allerdings methodisch angreifbar. So wurden zum Beispiel unterschiedlich hohe ESWT-Dosierungen angewandt, ESWT mit anderen Therapiemethoden kombiniert, oder die Behandlungsintervalle betrugen einen Monat statt eine Woche.

Auch ist bisher noch nicht geklärt, wie lange der von den Orthopäden erzielte Effekt der ESWT anhält. Langzeitstudien liegen noch nicht vor. Andererseits gibt es bislang überhaupt noch kein wissenschaftlich begründetes Behandlungskonzept für den Tennisellenbogen. Das gilt sowohl für die verschiedenen operativen wie auch konservativen Therapien. Das mag auch daran liegen, das der pathophysiologische Hintergrund ebenfalls noch unklar ist.

STICHWORT

Epicondylitis humeri radialis

Der Tennisellenbogen tritt nach chronischer Überlastung auf. Schon die Bezeichnung Epikondylitis ist wahrscheinlich unzutreffend. Mit einer Ausnahme konnte keine histopathologische Untersuchung Entzündungszeichen nachweisen. Vielmehr finden sich Risse in der Sehnenplatte, ein degeneriertes kollagenes Stützgewebe, dystrophe Kalzifikationen begleitet von reaktiven Fibroblasten- und Gefäßproliferationen. Für die akute Epikondylopathie sind mit konservativen Maßnahmen nach der sechsten Woche nur noch Placebo-Effekte zu erkennen. Bei chronischer Erkrankung wird die Operation empfohlen, wobei auch nur Erfolgsquoten von 50 Prozent zu erwarten sind. (ner)

Infos im Internet: Die 2002 aktualisierten Behandlungsleitlinien bei lateraler Epikondylopathie sind nachzulesen unter www.awmf-leitlinien.de. Eine kurze Übersicht von Professor Jan-Dirk Rompe findet sich unter www.thieme.de/zfo/02_04/ortho_01.html

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