Ärzte Zeitung, 18.10.2004

Herz, Gelenke, Rücken - Radfahren beugt Volkskrankheiten vor

"Cycling & Health" - Kölner Präventionsmediziner legt Auswertung von 7000 Studien vor / Große Effekte bei täglichen Fahrten zur Arbeit

Eine Altersbeschränkung gibt es nicht - Radfahren kommt nach neuen Studien Menschen aller Altersgruppen zugute. Foto: dpa

Von Pete Smith

Von Großveranstaltungen wie der Tour de France oder der Vuelta lassen sich bekanntermaßen auch Breitensportler animieren, selbst mal wieder in den Sattel zu steigen. Das sollten sie viel häufiger tun, denn das Fahrradfahren beugt Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Problemen und Rückenschmerzen vor, wie die kürzlich veröffentlichte Studie "Cycling & Health" unterstreicht (im Internet: www.cyclingandhealth.com).

Die von dem Fahrradsattel-Hersteller Selle Royal in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule in Köln vorgelegte Studie ist nach Angaben der Initiatoren die bislang größte, die zum Thema Radfahren und Gesundheit veröffentlicht worden ist.

Regelmäßiges Radfahren reduziert Herzinfarktrisiko

Unter Leitung von Professor Ingo Froböse, Ordinarius für Rehabilitation und Prävention im Sport sowie Leiter des Zentrums für Gesundheit an der Deutschen Sporthochschule Köln, hat ein Expertenteam insgesamt über 7000 Studien rund um dieses Thema ausgewertet. Entwickelt wurde ein umfassendes Kompendium, das sich vor allem mit den positiven Auswirkungen des Radfahrens auf die Gelenke, den Rücken, das Immun- und das Herz-Kreislauf-System auseinandersetzt.

Regelmäßiges Radfahren reduziert das Herzinfarktrisiko, stellen Froböse und seine Kollegen fest. So lasse sich durch Radfahren die Herzfrequenz reduzieren. "Ich kann den Herzrhythmus optimieren, und ich kann möglicherweise den Blutdruck senken, indem ich auch die Pumpleistung des Herzens erhöhe", so Froböse. Außerdem baue der Körper beim Radfahren LDL-Cholesterin ab, gleichzeitig werde der Anteil des HDL-Cholesterins erhöht.

Auch der Rücken profitiert vom Radfahren, legt die Studie nahe: "Wenn der Fahrer die optimale Sitzhaltung mit leicht nach vorn gebeugtem Oberkörper einnimmt, gerät die Rückenmuskulatur unter Vorspannung und stabilisiert den Rumpf." Die gleichmäßigen Beinbewegungen kräftigten besonders die Region im Bereich der Lendenwirbelsäule, die bekanntlich leicht durch Bandscheibenvorfälle gefährdet ist.

"Rückenschmerzen entstehen ja häufig durch Bewegungsmangel", so Froböse, der auch wissenschaftlicher Leiter des "Instituts für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation" in Köln ist. Durch Radfahren werde nicht nur die Bandscheibe besser versorgt, sondern auch die großen Muskelpartien des Rückens trainiert. Schließlich würden durch die Stimulierung der kleinen Muskeln an den Rückenwirbeln auch die einzelnen Wirbelkörper untereinander erheblich stabilisiert.

Für die Kniegelenke sei Radfahren ebenfalls vorteilhaft, meint der Kölner Präventionsmediziner. Bis zu 80 Prozent des Körpergewichts würden durch den Fahrradsattel aufgefangen. Damit sei das Radfahren eine gute Alternative zum Jogging, das Gelenke und Knorpel stärker belaste.

"Die zyklischen Bewegungen beim Radfahren stellen ein Minimum an Belastung der Gelenke dar und gewährleisten so eine optimale Ernährungssituation des Knorpels", stellen die Autoren fest. "Wer seine Gelenke durch regelmäßiges Radfahren schont, beugt dem Risiko einer Erkrankung an Arthrose vor und sorgt dafür, daß Gehen und Laufen auch im Alter keine Probleme bereiten."

Positive Effekte fürs Herz schon nach 30 Minuten Radfahren

Die Autoren geben auch detaillierte Tips, wie das Fahrradfahren in den Alltag integriert werden kann, um optimale gesundheitliche Ergebnisse zu erzielen. So wirke sich das Radfahren schon nach zehn Minuten auf die Muskulatur, die Durchblutung und die Gelenke aus. Ab 30 Minuten träten positive Einflüsse auf die Herzfunktion auf. Die Ausdauerleistungsfähigkeit profitiere ab 40 Minuten Training. Und ab 50 Minuten werde der Fettstoffwechsel angeregt.

Wichtig sei, daß man das Radfahren kontinuierlich in sein Leben integriere, so Froböse. "Wenn man täglich zum Büro, also etwas längere Strecken fährt, ist der Effekt groß."

Weitere Informationen und Details zur Studie finden Sie im Internet unter www.cyclingandhealth.com. Hier können Interessierte auch einen Fragebogen ausfüllen und auf dieser Basis ein individuelles Trainingsprogramm sowie Tips zur richtigen Einstellung ihres Fahrrads erhalten.

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