Ärzte Zeitung, 21.10.2004

Unbestechlich, teuer und trendy: der Personal Trainer

Immer mehr Bundesbürger engagieren einen Fitness-Coach, der sie individuell nach ihren Bedürfnissen trainiert

Personal Trainer Ralf korrigiert im Fitness-Studio Holmes in Berlin die Haltung einer Klientin beim Hanteltraining. Foto: dpa

Zu faul. Zu müde. Sportzeug vergessen. Manchmal braucht man bei guten Vorsätzen jemanden, der keine faulen Ausreden gelten läßt und einen persönlich antreibt. In der Fitness-Welt macht das der sogenannte Personal Trainer, der privat und für teures Geld sportliche Lektionen erteilt. Der Trend aus den USA hat Deutschland voll erfaßt.

Ob in Fitness-Studios, Fernsehshows oder in den Buchhandlungen: Personal Trainer haben Konjunktur. Trendforscher sprechen von einer "Professionalisierung der Freizeit". Ein bißchen Glamour ist auch dabei. Schließlich schwören auch Bill Clinton, Madonna und Britney Spears auf ihren Personal Trainer.

An der Berliner Friedrichstraße etwa hat der Holmes Place Health Club seinen Sitz. 35 Laufbänder surren hier, an den Wänden läuft auf Flachbildschirmen CNN, davor schwitzen einige Dutzend Männer und Frauen an den Geräten.

Statt "Muckibuden"-Flair sieht es in diesem Fitness-Studio eher wie in der Fernsehserie "Sex and the City" aus: Wer hierher kommt, verdient nicht schlecht und kann sich auch mal einen Personal Trainer für um die 60 Euro die Stunde leisten. Die Spanne der Kunden ist breit, erzählt "Gym Manager" Björn Kusche (28) - vom Studenten mit wohlhabenden Eltern bis zu Prominenten wie Wolfgang Joop und Matt Damon. Etwa 250 Mitglieder nutzen den Personal-Trainer-Service.

Kusche öffnet die Türen der Studios, in denen gerade Einzelstunden laufen: Ein Mittfünfziger im rosa Polo-Hemd dreht seine Runden zum Aufwärmen, nebenan drischt jemand mit den Box-Handschuhen los - beide bekommen Kommandos von ihren Trainern.

Das Angebot ist individuell, von Reha über Yoga bis hin zum Krafttraining an den Geräten; mal will ein Kunde Gewicht verlieren, mal mehr Ausdauer bekommen. Das Interesse wächst, sagt Kusche. "Die Körperkultur wird immer stärker." Nicht alles sei möglich, meint Kusche. Seine persönlichen Highlights: daß eine Frau mit Anfang 40 Schwimmen gelernt hat oder ein Diplomat 15 Kilo abspeckte.

Auch Luxus-Hotels wie das Grand Hyatt Berlin bieten den Service an - er wird laut Sprecherin Kerstin Riedel "sehr gut angenommen" und kostet 75 Euro die Stunde, auch Joggingstunden durch den Tiergarten gehören zum Programm. In der Kaifu Lodge in Hamburg, wo zehn Trainer sich auf die privaten Lektionen spezialisiert haben, hat man den Trend ebenfalls beobachtet.

Die Kunden des Fitness-Studios sind oft viel beschäftigte Manager, die häufig unterwegs sind - begleitet vom Trainer. "Die fliegen um die Welt", sagt eine Mitarbeiterin. Der Service scheint auch via Internet zu boomen: Dort bieten hunderte Personal Trainer ihre Dienste an.

Oliver Perzborn vom Trendbüro (Hamburg) sieht die Ursache in einem stark gestiegenen Leistungs- und Erfolgsdruck. "Mit dem Untergang der New Economy sind die locker-legeren Tage erst einmal vorbei", meint er. "Stattdessen erwartet man von uns aus ökonomischen Zwängen heraus, daß wir immer besser werden müssen. Tag für Tag."

Für ihn hat die "Professionalisierung der Freizeit" gerade erst begonnen. Der Trend werde immer mehr Lebensbereiche erfassen: "Vom Personal Computer über den Personal Trainer zum Personal Coach, Personal Cook, Personal Wedding Planner oder Personal Life Assistant." (dpa)

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