Ärzte Zeitung, 08.12.2004

Tanzen - Wellness für Körper und Seele

Die künstlerische Sportart steigert die Kondition und bringt Kontakte

Daß Tanzen Sport ist, merkt man bei den Wettbewerben: hier das Team des Braunschweiger TSC, 2003 Vize-Weltmeister im Formationstanzen. Foto: dpa

Von Susann Huster

"Gutes Tanzen birgt große Chancen beim anderen Geschlecht und ist Wellness für die eigene Seele." Das schreiben die beiden tanzerfahrenen Autorinnen Gertrude Krombholz und Astrid Haase-Türk in ihrem neuen Buch: "Tanzen - die zehn Standard- und Lateintänze". Selbst lange Jahre aktiv auf dem Parkett, kennen sie die großen Vorteile, die das Tanzen für Körper und Seele hat.

Tatsächlich gehören die mehr oder weniger rhythmischen Bewegungen zu schneller oder auch getragener Musik zum Besten, was man für sich tun kann. Tanzen steigert nicht nur die Kondition, läßt Kalorien purzeln und die Nicht-Tänzer am Parkettrand vor Neid erstarren - es hat auch einen nicht zu unterschätzenden zwischenmenschlichen Aspekt: "Tanzen schafft Kontakte", sagt Astrid Haase-Türk.

In einer - wie die Autorin meint - in Deutschland "sehr kontaktfeindlichen Kultur" kann man sich beim Tanzen ohne Bedenken berühren, sich in einer entspannten Atmosphäre ganz unverbindlich kennen lernen. Das beginnt bereits in frühester Jugend bei der ersten Tanzstunde, die für Haase-Türk eher einen sozialen als einen sportlichen Aspekt hat. "Wer die nicht mitmacht, hat den unkompliziertesten Kontakt zu anderen Menschen verpaßt", ist die Tanz-Expertin aus München überzeugt.

Durch Tanzen lernt man, sich locker zu bewegen

Das Tanzen kommt ihrer Ansicht nach in Deutschland zu kurz. "Damit müßte viel früher begonnen werden", sagt sie. Viele Menschen blieben nach der ersten Tanzstunde nicht dran und verlernten alles schnell wieder. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern der Welt hätten im "bewegungsfeindlichen" Deutschland viele Menschen Hemmungen, sich im Alltag locker zu bewegen, ihren Körper auch mal entspannt gehen zu lassen. Und genau diese Lockerheit fehle ihnen dann auch beim Tanzen.

Wer daran etwas ändern will, geht in eine der vielen Tanzschulen. Diese haben sich mittlerweile darauf eingestellt, daß viele Menschen in unserer Gesellschaft allein leben und veranstalten deshalb auch Single-Tanzkurse. Nur trauten sich zumindest in die Anfängerkurse meist nur Frauen, da vielen Männern der Mut fehle, berichtet Haase-Türk. Haben Männer dann aber erst mal die Bewegungserfahrung durchs Tanzen gemacht, sind sie oft noch enthusiastischer dabei als Frauen.

Leistungsdruck ist beim Tanzen fehl am Platz

Auch Ehepaare und junge Leute, die heiraten wollen, belegen immer häufiger einen Tanzkurs. Dabei kann es auch schon mal stressig werden, denn die Ansprüche an den eigenen Partner sind in der Regel überhöht. Der ideale Tanzpartner sollte deshalb ihrer Meinung nach sehr geringe Erwartungen an sein Gegenüber haben und "ganz einfach nur Freude an der gemeinsamen Bewegung empfinden".

Ähnlich sieht dies auch die Münchener Tanztherapeutin Susanne Bender. Der ideale Tanzpartner, so meint sie, sollte auf einem ähnlichen Niveau wie man selbst sein. Sind die Unterschiede zu groß, entstehe Leistungsdruck, der nun gerade beim Tanzen fehl am Platze ist. "Gleichheit ist nicht unwichtig."

Als Tanztherapeutin versucht Bender, Hemmungen und Ängste im tagtäglichen Leben zu mindern. Diese machten sich häufig körperlich bemerkbar, etwa durch hochgezogene Schultern oder vor dem Körper verschränkte Arme. In vielen Fällen helfe eine Bewegungsanalyse in Verbindung mit einer Gesprächstherapie.

Doch nicht nur aus medizinischer Sicht ist das Tanzen gut für Körper und Seele. Schließlich werden dabei Glückshormone freigesetzt, und man kann das gemeinsame Verausgaben ohne Leistungsdruck genießen, sagt Bender. "Es geht um den Selbstausdruck in der Gemeinschaft. Man braucht Leute um sich herum", beschreibt sie die Vorteile dieser künstlerischen, eleganten Sportart.

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