Ärztliche Allgemeine, 26.05.2005

Ärzte überschätzen häufig ihre Leistungsfähigkeit

Fast 800 Ärzte aus dem ganzen Bundesgebiet haben bei Professor Hans-Georg Predel ein höchst ungewöhnliches sportmedizinisches Fortbildungsprogramm absolviert.

Dabei ging es darum, in Fragebögen zunächst zu ermitteln, wie aktiv die Ärzte selbst sind und wie sie ihre körperliche Leistungsfähigkeit einschätzen. Diese Selbsteinschätzung wurde dann einem rigorosen Realitätstest unterzogen.

Zwei von drei Ärzten gaben dabei an, selbst regelmäßig Sport zu treiben und zwar dreimal pro Woche jeweils etwa eine Stunde. Der daraus zu erwartende Fitneßgrad konnte jedoch in vielen Fällen nicht bestätigt werden.

Insgesamt seien die Ärzte körperlich ähnlich aktiv wie der Bevölkerungsdurchschnitt, schätzten sich aber fitter ein. Predel: "Wir haben die Ärzte dann gebeten, in einer Intensität zu laufen, die sie auch ihren Patienten als gesundheitsfördernde, aerobe Belastung empfehlen würden. Als der Laktatwert bestimmt wurde, zeigte sich jedoch, daß viele von ihnen, vor allem männliche Ärzte, die glaubten, sie befänden sich noch im aeroben Bereich, schon deutlich übersäuert waren."

Die Bedeutung psychischen Stresses als potentieller kardiovaskulärer Risikofaktor erfuhren die Ärzte im Rahmen standardisierter evaluierter Streßtestungen. Hier wurden zum Teil erhebliche Herzfrequenzsteigerungen als Marker für emotionalen bzw. mentalen Streß gemessen.

Insgesamt belegen die Ergebnisse, daß scheinbar geringe kognitive bzw. emotionale Anforderungen zu erheblichen neurovegetativen Reaktionen führen können und somit ein kardiovaskuläres Risiko darstellen.

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