Ärzte Zeitung, 21.11.2005

HINTERGRUND

Neues Präventionsprojekt animiert Bürger zum kontrollierten Laufen

Von Brigitte Düring

Ein junger Leipziger testet die neue Laufstrecke.

Ein Paar Runden joggen und später die Entwicklung der Herzfrequenz am PC zu Hause kontrollieren; mit Kollegen vor der Arbeit zum Laufen starten und danach im Büro auf dem Bildschirm nachschauen, wie viele Kilometer sich aktuell auf dem Laufkonto angesammelt haben; oder die jährliche Laufleistung einfach ausdrucken und damit bei der Krankenkasse den Bonus für Fitneß abholen: Diese und viele andere Möglichkeiten sind mit dem innovativen "Running for life"-System möglich, das jetzt in Leipzig vorgestellt wurde.

Das System ist vor kurzem in der Sport- und Messestadt Leipzig auf einer etwa fünf Kilometer langen Laufstrecke im Clara-Zetkin-Park installiert worden. Es besteht aus einem Brustgurt zur automatischen Herzfrequenz-Übertragung mit integriertem Funk-Chip, Meßstationen entlang der Strecke und einem Internet-Portal (www.runningforlife.de), auf dem jeder Läufer ein mit seinem persönlichen PIN-Code geschütztes Laufkonto einrichten kann.

Auf dieses Konto werden die Daten des Laufes einschließlich zurückgelegter Strecke, Zeit und Herzfrequenz von den Meßstationen aus in Echtzeit übermittelt. Auf dem Laufkonto werden alle Daten systematisch gesammelt, aufbereitet und können mittels einer pdf-Funktion für Dritte ausgedruckt werden.

Jogger können ihre Laufkonten auch Ärzten zugänglich machen

"Nur der Läufer kennt den PIN-Code und kann sein Konto öffnen oder, falls er das wünscht, seinem Arzt, Trainer, Kollegen, Freund oder Lehrer die Erlaubnis erteilen, sich das Konto anzuschauen", erläutert der Erfinder des Systems, Gesundheitsberater Holger Illian. Dieser hofft, daß sich viele Städte seiner Idee anschließen.

    Internet-Portal ermöglicht die Vernetzung der Aktivitäten.
   

Mit Magdeburg, Kiel, Hannover und Frankfurt am Main konnte Illian bereits Gestaltungsverträge abschließen, um stadtnahe Laufstrecken in absehbarer Zeit mit seinem "Running for life"-System zu bestücken. Mit Verantwortlichen in Berlin sei er noch im Gespräch. Illian hofft, daß in den nächsten Jahren etwa 30 Städte an der Aktion teilnehmen werden, um Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren zu mehr Bewegung zu animieren.

"Mir geht es nicht um Spitzensport, sondern darum, Menschen dabei zu unterstützen, aktiv etwas für ihre eigene Gesundheit zu tun", betont Illian. Das schließe natürlich nicht aus, daß auch Leistungssportler das System zum Training nutzen können, fügt er hinzu.

Erkenntnis durch Steigerung des Wohlbefindens

"Wer einmal erfahren hat, wie der Stoffwechsel des Körpers sich ändert, wenn man ausdauernd läuft, die persönliche Leistungsfähigkeit zunimmt und sich das psychische Wohlbefinden fühlbar steigert, der begreift im selben Augenblick seinen Körper als sein Kapital", glaubt der Gesundheitsberater.

Aus diesem Gedanken der Selbstverantwortlichkeit sei seine Initiative entstanden, so Illian, der hofft, daß das ausgeklügelte System Anreize setzen wird. "Der aktive Teilnehmer kann sportmedizinische Unterstützung abrufen und für seine individuellen Ziele nutzen.

Es kann auch ein Gemeinschaftsgefühl der ‚Running for life’-Community entstehen, von dem besonders Jugendliche, für die das Internet und Handy selbstverständlicher Bestandteil des Alltags sind, in besonderem Maß profitieren können", schildert Illian seine Vorstellungen von der Entwicklung des Jogging-Projektes.

Den Teilnehmern des Systems werden über das Internet-Portal, welches das Herzstück des Systems ausmacht, viele Zusatzservices angeboten, beispielsweise Hinweise zur Führung der Laufstrecken, Infos zu den beteiligten Städten, Verweise auf virtuelle Laufclubs, Lauftreffs und Vereine der jeweiligen Stadt, aktuelle sportmedizinische Informationen und Beratung.

Ein Forum mit Chat-room ermöglicht den Austausch von Erfahrungen, eine sportmedizinische Sprechstunde und Verabredungen zum Laufen. Hierüber können auch Laufwettbewerbe initiiert werden.

Bei der Premiere in Leipzig wünschte Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, daß viele Läufer, Gesundheitssportler, Nordic Walker, Junge und Alte, Anfänger und geübte Läufer das neue Angebot wahrnehmen.

Dr. Petra Tzschoppe von der sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig glaubt, daß die Verbindung von Laufen und Internet gerade Kinder ansprechen kann, die das Laufen sonst langweilig finden. Auch für die Reha biete "Running for life" sehr gute Möglichkeiten. "Die Läufer erhalten einen Einblick, was mit ihrem Körper passiert, und das über längere Zeit."

In Leipzig laufen inzwischen etwa 100 Teilnehmer mit dem Brustgurt und haben sich ein Laufkonto eingerichtet. Eine kleine Studie mit Schülern wurde begonnen. Laufgruppen der AOK, einiger Trainer und Sportvereine nutzen die Strecke.


Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.Illian-hm.de und www.runningforlife.de. Fragen beantwortet auch der Erfinder des Systems, Holger Illian, per E-Mail: illian@illian-hm.de

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