Ärzte Zeitung, 21.08.2006

Deutscher Arzt: Sandkastenfreund von Fuentes?

Doping-Affäre / Anästhesist von Klinik beurlaubt / Apotheke, in der die Frau des Arztes arbeitet, durchsucht

BERLIN (eb/pid). Die nach Deutschland führende Doping-Spur des spanischen Mediziners Eufemiano Fuentes, der auch den deutschen Radprofi Jan Ullrich mit unerlaubten Mitteln versorgt haben soll, wird immer deutlicher, heißt es auf der Internetseite "Radsport-News".

Medienberichte vom Wochenende beziehen sich auf neue Erkenntnisse der Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA). Der verdächtige Anästhesist aus Bad Sachsa, von seiner Arbeitsstelle in Thüringen, mittlerweile beurlaubt, solle sogar selbst Sportler in Spanien behandelt haben, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner neuen Ausgabe.

Sowohl die Wohnung als auch die Klinik waren am Donnerstag durchsucht worden. Bei der Staatsanwaltschaft Göttingen seien Beamte des BKA jetzt damit beschäftigt, die Materialien auszuwerten, die sie sichergestellt haben, sagte am Freitag der Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, Hans-Hugo Heimgärtner. Bislang gebe es lediglich einen Anfangsverdacht gegen den Arzt. Inwieweit er tatsächlich in das spanische Doping-Netzwerk verwickelt sei, müßten jetzt die Auswertungen zeigen.

Vor seiner Tätigkeit an der Klinik in Bleicherode soll der Arzt mehrere Jahre lang eine Praxis in Braunlage gehabt haben. Die Abteilung der Helios-Klinik, in der er als Chefarzt tätig ist, nennt als Spezialgebiet "Patientenadaptierte Transfusionsmedizin (Eigenblut, Cellsaver, Hämodilution)" - Bereiche, die für Doping-Aktivitäten von besonderem Interesse sind.

Nach Angaben des "Spiegel" hat der gebürtige Pole bei Bekannten seine häufigen Besuche unter anderem in Gran Canaria auch mit seiner Zusammenarbeit mit Athleten begründet. Zudem soll er in der Klinik einem Kollegen die Betreuung eines Radsportteams angeboten haben. Der Beschuldigte schweigt weiter zu allen Vorwürfen.

Das BKA hat nach einem Bericht von "Bild" auch die Apotheke in Braunlage durchsucht, in der die Frau des verdächtigen Arztes arbeitet. Sie soll ihrem Mann bei der Beschaffung der Medikamente geholfen haben. Der Chef der Apotheke beteuert zwar die Unschuld seiner Angestellten und erklärt, sie hätte nie etwas mitgenommen. Allerdings bestätigt er nach Angaben der Zeitung die lange währenden Kontakte des Arztes zu Fuentes und nennt die Verbindung "eine Sandkastenfreundschaft".

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