Ärzte Zeitung online, 23.02.2010

Deutsche Nachweismethode: Erster Athlet des HGH-Dopings überführt

WAKEFIELD/MONTREAL (dpa). Im Anti-Doping-Kampf ist auf der Grundlage eines deutschen Nachweisverfahrens ein spektakulärer Durchbruch gelungen. Weltweit das erste Mal wurde mit dem britischen Rugby-Profi Terry Newton ein Athlet des Dopings mit dem Wachstumshormon Human Growth Hormon (HGH) überführt.

Der 31-Jährige von den Wakefield Trinity Wildcats hat bereits eine zweijährige Sperre bis zum 23. November 2011 akzeptiert, teilte die britische Nationale Anti-Doping-Agentur (UKAD) am Montag mit. Newton war bei einer Zielkontrolle am 24. November 2009 im Training getestet worden. "Es ist die erste komplette Analyse für HGH und damit ein positiver Schritt im Kampf gegen Doping", erklärte David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

Der frühere Ruby-Nationalspieler Newton wurde dank des vom Berliner Mediziners Professor Christian Strasburger entwickelten Nachweisverfahren überführt. Durchgesetzt hat sich die bereits vor den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen entwickelte auf Bluttests basierende Analyse aufgrund technischer Probleme aber nur langsam. "Es ist schon eine Menge Zynismus dabei, dass HGH so lange nicht fundiert analysiert werden konnte", sagte Howman. "Doch nun wird damit eine starke Botschaft an Athleten gesendet, die den Missbrauch mit HGH riskieren wollen und nun ultimativ entdeckt werden können."

Diese Nachricht gilt auch für die Teilnehmer der Olympischen Winterspiele in Vancouver, deren Doping-Proben für acht Jahre zu Nachtests eingefroren werden. "Der WADA-Code macht es möglich, nachträglich bis zu acht Jahre noch Verfahren gegen Athleten wegen Doping-Verstöße einzuleiten", erklärte Howman.

Newton, der gerade einen Zweijahresvertrag mit den Wildcats abgeschlossen hatte, war am vergangenen Freitag über seinen positiven Test von der britischen Rugby Football League (RFL) informiert worden. Er verzichtete auf die Öffnung der B-Probe. Für den Anti-Doping-Chef Großbritanniens ist es ein "Meilenstein im Anti-Doping-Kampf" und ein Erfolg des Zusammenspiels von intelligenter Zielkontrolle und der Kooperation unter Wissenschaftlern.

Doping mit dem Wachstumshormon HGH

Über Missbrauch mit Wachstumshormonen im Sport wurde in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder spekuliert. Mit der Anwendung des HGH erhoffen sich Sportler Leistungsgewinne, wobei auf anabole Effekte des Hormons gesetzt wird.

HGH ist ein Peptidhormon, das aus insgesamt 191 Aminosäuren aufgebaut ist. Es wird in der Hypophyse in großen Mengen gebildet und dann ins Blut ausgeschüttet. Über die Blutbahn erreicht HGH die verschiedenen Zellen des Körpers, wo es seine Wirkungen entfalten kann. Die Tatsache, dass es in großen Mengen in der Hypophyse gebildet wird, führte dazu, dass HGH zur therapeutischen Anwendung früher aus den Hypophysen von Toten isoliert wurde.

Es wurde in den letzten Jahren auch auf die Gefahr hingewiesen, dass entsprechende HGH-Produkte aus der ehemaligen Sowjetunion auf dem Schwarzmarkt kursieren. Hierbei wird auf eine mögliche Infektionsgefahr durch Verunreinigungen der Produkte hingewiesen.

Eine Forschergruppe des Endokrinologens Strasburger entwickelte schon 1999 ein Nachweisverfahren, das lange Zeit aber keine Anerkennung fand.

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