Ärzte Zeitung, 21.11.2007

KOMMENTAR

Politiker als Geburtshelfer gefragt

Von Sebastian Becker

Ein Fall, der Emotionen weckt und tiefe Ursachen hat, die abgestellt werden müssen. Eine deutsche Klinik an der Grenze zu Polen soll systematisch polnische Patientinnen zu einer Behandlung gelockt haben. Über einen Abrechnungstrick seien dann die Kosten den polnischen Krankenkassen aufgebürdet worden.

Solange Richter nicht entschieden haben, darf selbstverständlich nicht vorverurteilt werden - auch wenn es stark danach aussieht, dass die Vorwürfe nicht unberechtigt sind. Denn allzu zu hoch ist die Zahl der Geburten polnischer Kinder gerade in dieser Klinik. Polnische Patientinnen, die sich in Internetforen darüber unterhalten, dass sie sich dort behandeln lassen wollen, geben solchen Spekulationen weitere Nahrung.

Andererseits muss man den Aussagen der Klinik, dass sie alles für das Wohl der Patientinnen tun wolle, Glauben schenken. Schließlich sind die Behandlungen in polnischen Einrichtungen mitunter so katastrophal, dass Patienten gar nicht anders können, als sich woanders behandeln zu lassen.

Dieser Fall zeigt ein viel wichtigeres Problem auf: Das polnische staatliche Gesundheitssystem muss dringend modernisiert werden, damit es gar nicht zu einem Patienten-Tourismus kommt. Darum müssen sich die Regierungen beider Länder und die EU kümmern. Ein Urteil, dass irgendwann ein Gericht in diesem Streit sprechen wird, ist da nicht ausreichend und wird die eigentlichen Ursachen nicht beheben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »