Ärzte Zeitung, 04.12.2007

KOMMENTAR

Streicheleinheiten mit Schönheitsfehler

Von Dirk Schnack

Die Gesundheitsministerin hat sich auf dem Bundeskongress der Medizinstudierenden bestens verkauft. Ulla Schmidt spielte die ganze Erfahrung einer Profipolitikerin aus, als sie erst charmant plauderte, dann klar Stellung bezog und schließlich geduldig diskutierte. Sie wich keiner Frage aus, vermied Schuldzuweisungen und hatte für alles eine Begründung.

Manche Studenten mögen sich über das schlechte Image der Ministerin unter Ärzten gewundert haben: Diese Ministerin soll für die schlechten Arbeitsbedingungen in Arztpraxen mit verantwortlich sein? Die Politik dieser Frau soll Ärzte zur Flucht ins Ausland getrieben haben?

Schmidt, so der Eindruck in Hamburg, schien den Studenten das Gegenteil beweisen zu wollen. Glaubhaft versicherte sie, dass Deutschland ein hohes Interesse und Bedarf an der Arbeit von Ärzten hat, dass das Ansehen ihres Berufes ungebrochen hoch ist und dass sie optimistisch in die Zukunft blicken können, wenn sie nur flexibel genug sind.

Es war ein Vortrag wie aus dem Lehrbuch - wäre da nicht der kleine Schönheitsfehler, dass die Ministerin den Studenten ihre Sicht der Dinge zwei Stunden lang präsentierten durfte, während Ärztevertreter wie der Ex-Chef des Marburger Bundes Dr. Frank Ulrich Montgomery in die Zuhörerrolle gedrängt wurden.

Ihre Meinung war erst gefragt, als die Ministerin auf dem Weg nach Hause war. Ein wenig mehr Streitkultur hätte der Veranstaltung nicht geschadet.

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