Ärzte Zeitung, 22.04.2008

KOMMENTAR

Totgesagte leben länger

Von Katlen Trautmann

Niedergelassene Ärzte als Repräsentanten einer aussterbenden Spezies? So einfach, wie es der Chef der AOK  Plus ausgesprochen hat, gestaltet sich die Sache nicht. In wirtschaftlich eher unattraktiven Regionen lassen sich derzeit viel zu wenige Mediziner nieder. Das ist richtig. Der Mangel von Kollegen in den meist ländlichen Gegenden ist aber weniger ein Indiz für das Schwinden des hausärztlichen Berufes als vielmehr eine Folge von immer schwierigeren Arbeitsbedingungen.

Schmale Budgets, die sich in den Praxen ausbreitende Bürokratie und die wachsende Arbeitsbelastung können dazu führen, dass sich Ärzte, die sich niederlassen möchten, zunehmend als Exoten fühlen. Aus Sicht vieler Mediziner erweist sich eine Festanstellung oder das Abwandern in andere Branchen oft als wirtschaftlich attraktiver als das Führen einer eigenen Praxis.

Doch ein Körnchen Wahrheit haftet dem vorgezogenen Nachruf auf niedergelassene Ärzte dennoch an. Dem Einzelkämpfer im Reich der Medizin läuft die Zeit davon. Allein auf weiter Flur weht Ärzten ein eisiger Wind ins Gesicht. Viele haben die Zeichen der Zeit erkannt und organisieren sich jenseits der tradierten Formen in neuen Bereichen der Zusammenarbeit - indem sie sich etwa mit anderen Kollegen zusammenschließen oder Einzelverträge mit Kliniken und Krankenkassen schließen. So machen sie ihre Praxen zukunftssicher. Es lebe die Niederlassung!

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