Ärzte Zeitung, 24.04.2008

Streit um Schönheits-Op für Minderjährige

Bundesärztekammer und Kinderärzte fordern Verbot / Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags

BERLIN (ble). Hochgespieltes Problem im Promillebereich oder gefährlicher Schönheitswahn bei Kindern und Teenagern? Über Für und Wider eines Verbots von Schönheitsoperationen an Minderjährigen standen am Mittwoch geladene Experten den Abgeordneten des Gesundheitsausschusses im Bundestag Rede und Antwort. Dabei erhofften sich die Parlamentarier auch Antworten auf die Frage: Was ist eine Schönheitsoperation, was ein medizinisch notwendiger Eingriff?

Brust-Op mit Silikonimplantat: Solche Eingriffe sind nicht ohne Risiko.

Foto: dpa

Die führenden plastisch-chirurgischen Fachgesellschaften Deutschlands plädierten dabei gegen ein generelles Verbot von Schönheitsoperationen bei Minderjährigen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und die Bundesärztekammer (BÄK) sprachen sich hingegen für ein Eingriffsverbot an unter 18-Jährigen aus.

Das müsse auch für Piercings oder Tätowierungen gelten, wenn diese nicht in Arztpraxen erfolgten, sagte BÄK-Vize Dr. Cornelia Goesmann. Die Folgen von schönheitschirurgischen Eingriffen seien "oft unabsehbar und weder von den minderjährigen Patienten noch ihren Erziehungsberechtigten seriös abschätzbar", betonte auch BVKJ-Sprecher Dr. Ulrich Fegeler.

Hintergrund: In einem Antrag haben die Fraktionen von Union und SPD die Bundesregierung aufgefordert, ein Verbot von nicht medizinisch indizierten Schönheitsoperationen bei Minderjährigen zu prüfen. Im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" erläuterte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Dr. Carola Reimann, die Ziele: "Wir wollen, dass an Minderjährigen keine Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit vorgenommen werden."

"Unrealistisches Schönheitsideal"

Sie kritisiert, dass die Medien ein unrealistisches Schönheitsideal propagierten. Da werde in Funk und Fernsehen "im Minutentakt geschnippelt, abgesaugt, gestrafft", ohne auf die Risiken hinzuweisen, so Reimann. Bei den plastisch-ästhetischen Chirurgen stoßen die Verbotsüberlegungen erwartungsgemäß auf Widerspruch: Der Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen, Professor Günter Germann, sprach mit Blick auf rein ästhetische, nicht medizinisch indizierte Schönheitsoperationen bei Minderjährigen von einem "marginalen Problem" im Promillebereich. Seine Gesellschaft lehne ein Verbot deswegen ab.

Nach Ansicht des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, Dr. Joachim Graf von Finckenstein, würde ein Verbot nur dazu führen, dass junge Leute im Ausland nach Alternativen suchen. Für die Deutsche Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie mahnte Professor Jens-Uwe Blohmer, dass ein generelles Verbot Einzelschicksalen nicht gerecht werde.

IGeL- oder GKV-Angebot? Das ist schwer zu trennen

Die Anhörung zeigte auch, wie schmal für die Koalition der Grad für eine mögliche gesetzliche Regelung ist, medizinisch oder psychologisch begründbare und rein ästhetisch motivierte Operationen voneinander abzugrenzen: So hält BÄK-Vize Goesmann eine Kategorisierung der Eingriffe, die von der GKV übernommen werden sollten und solchen, die privat zu zahlen sind, nicht für realisierbar. "Einen Katalog festzulegen - das ist eine GKV-Leistung, das ist immer ein IGeL-Angebot - das wird wegen der fließenden Übergänge nicht möglich sein", sagte sie.

Für den Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte sprach Professor Ralf Siegert mit Blick auf die Korrektur von abstehenden Ohrmuscheln bei Kindern von einer "psychoprophylaktischen Wirkung" der Eingriffe.

"Es sind letztendlich schon Schönheitsoperationen, weil sie keine funktionelle Bedeutung haben. Aber sie sind wichtig für die Kinder." Der Sachverständige Dr. Albrecht Krause-Bergmann plädierte für einen Katalog von Eingriffen, die von der Solidargemeinschaft übernommen werden sollten. Dies sei beispielsweise in Frankreich der Fall.

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