Ärzte Zeitung, 10.06.2008

Eltern von Frühchen müssen hohe Kosten schultern

Ausgaben für Therapien, Hilfsmittel oder Fahrtkosten addieren sich bis zum fünften Lebensjahr auf über 6600 Euro

FRANKFURT/MAIN (ras). Eltern von frühgeborenen Kindern müssen für stationäre Wiederaufnahme nach der Geburt, ambulante Nachuntersuchungen, Therapien, Hilfsmittel, Medikamente, Fahrtkosten und Kinderbetreuung bis zu deren fünften Geburtstag eine finanzielle Gesamtbelastung von durchschnittlich 6613 Euro schultern.

Nach Angaben des Bundesverbandes "Das frühgeborene Kind" leben in Deutschland derzeit etwa 60 000 Frühchen. Damit repräsentieren Frühgeborene die größte Kinderpatientengruppe Deutschlands.

Um die finanzielle - nicht vom Staat getragene - Belastung für betroffene Eltern für diese Frühchen herauszufinden, hat die Foundation for the Care of newborn Infants (EFCNI) 588 Eltern aus dem deutschen Sprachraum im Zeitraum von September 2007 bis März 2008 befragt. Einer der größten Kostenblöcke, die Eltern selber tragen müssen, sind Therapiekosten.

In den ersten beiden Jahren nimmt ein frühgeborenes Kind, das vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurde, rund 90 Therapiestunden in Anspruch. Sehschwäche, Fütterungsstörungen und Dyspraxie gehören außer allgemeinen Entwicklungsstörungen zu den häufigsten neurologischen Beschwerden. Drei Viertel der Frühgeborenen benötigen daher eine Physiotherapie, 40 Prozent eine Ergotherapie und rund ein Drittel der Kinder eine Logopädie. Die therapieintensivste Zeit liegt bei allen zu früh Geborenen im Vorschulalter zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr.

Im Schnitt haben die Eltern der Kinder bis zum fünften Geburtstag 1180 Euro für Therapien und 410 Euro für Medikamente ausgegeben. Nahezu die Hälfte der betroffenen Familien müssen sich zudem ein Inhalationsgerät oder einen Heimmonitor zur Beobachtung von Herzfrequenz und Atemmuster des frühgeborenen Kindes zulegen.

Wie die Studie weiter ergab, müssen betroffene Eltern auch überdurchschnittlich häufig unbezahlten Urlaub in Kauf nehmen. Das macht einen Einkommensverlust von durchschnittlich etwa 460 Euro bis zu 1220 Euro aus.

Unbezahlter Urlaub schmälert die Einkommen.

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