Ärzte Zeitung, 18.06.2008

Weniger Lektüre, mehr TV und SMS - deutsche Sprache in der Krise?

Repräsentative Umfrage / Immer mehr Klagen über allgemeinen Sprachverfall

BERLIN (dpa). Nach Ansicht von zwei Dritteln der Bundesbürger (65 Prozent) droht die deutsche Sprache "mehr und mehr zu verkommen". Als Ursachen dafür wird in einer in Berlin veröffentlichten Umfrage unter anderem genannt, dass weniger gelesen und mehr ferngesehen wird.

Weitere Gründe, die in der Studie genannt werden: der Einfluss anderer Sprachen auf die deutsche Sprache nimmt stark zu und ganz allgemein wird weniger Wert gelegt auf eine gute Ausdrucksweise. Das betreffe vor allem das Elternhaus, die Schule, die Medien und insbesondere auch die Kommunikation per SMS oder E-Mail. Hinzu kämen immer mehr unverständliche Abkürzungen. 42 Prozent der Befragten urteilen, dass sich viele Menschen heute schlechter ausdrücken können als noch vor 20 oder 30 Jahren.

Allerdings gibt es dabei deutliche Altersunterschiede, jüngere Menschen sehen auch positive Entwicklungen. In einer Umfrage für den Deutschen Sprachrat und die Gesellschaft für deutsche Sprache wird von jedem Dritten auch angemerkt, dass der Wortschatz heute größer ist als früher und dass vor allem durch die Arbeit am Computer sogar mehr gelesen und geschrieben wird als früher. 18 Prozent, darunter vor allem viele Jüngere, haben sogar den Eindruck, dass die deutsche Sprache lebendiger geworden ist.

Die Umfrageergebnisse des Instituts für Demoskopie Allensbach im April 2008 unter 1820 ausgewählten Personen wurden in Berlin vorgestellt. "Klagen über Sprachverfall gibt es seit den alten Ägyptern und den alten Griechen, vor allem von der älteren Generation", relativierte Rudolf Hoberg, Vorsitzender der Gesellschaft für deutsche Sprache, die jüngsten Umfrageergebnisse, nach seinen Worten die umfassendsten dieser Art seit über zehn Jahren. "Jede Sprache verändert sich im Laufe der Zeit." Hoberg lehnt "Sprachgesetze" zur "Rettung der deutschen Sprache" ab, seine Gesellschaft könne aber beratend tätig sein.

Viele der Befragten beklagten, dass immer weniger Wert gelegt werde auf eine gute Ausdrucksweise. So räumten insgesamt 63 Prozent ein, das anstößige Wort "Scheiße" selbst zu verwenden - bei Männern sind es sogar 72 Prozent und bei Frauen nur 56 Prozent. Dialekt oder Mundart wird noch von jedem zweiten Deutschen gesprochen, mit leicht sinkender Tendenz. Bayerisch und norddeutsches Platt bleiben am beliebtesten, die Berliner rangieren an dritter Stelle. Die verbreitete Abneigung gegenüber dem Sächsischen hat sich eher noch verstärkt.

Abneigung gegen sächsischen Dialekt verstärkt sich.

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