Ärzte Zeitung, 06.08.2008

Parlamentarier wollen das Überraschungsei köpfen

Die Kinderkommission des Bundestags empfiehlt, Kombinationen aus Lebensmitteln und Spielzeug zu verbieten / Unfallgefahr zu groß

BERLIN (ble). 20 Gramm Schokolade, in jedem siebten Ei eine besondere Überraschung aus handbemaltem Plastik: Ob Schlümpfe, Simpsons oder Micky Maus - seit Jahrzehnten schätzen Kinder und Junggebliebene mit dem Herz für Schokolade die Kinder-Überraschung mit dem Spielespaß zwischen den Schoko-Hälften.

 parlamentarier wollen das überraschungsei köpfen

Der Spaß mit den Überraschungseiern könnte bald vorbei sein.

Foto: dpa

Doch dem "Ü-Ei" könnte jetzt das Aus drohen. So zumindest will es die Kinderkommission des Deutschen Bundestags in ihrer Stellungnahme zu alltäglichen Sicherheits- und Gesundheitsrisiken für Kinder. Darin fordern die Parlamentarier, dass Nahrungsmittel nicht mehr mit Spielzeug gekoppelt werden, wie das bei der Kinder-Überraschung oder Cornflakes-Packungen der Fall ist.

Begründung: Viele Unfälle von Kindern im Haushalt ereigneten sich durch die Kombination von Spielzeug, Haushaltsartikeln und Nahrungsmitteln, da Kinder oft nicht zwischen essbaren und nichtessbaren Bestandteilen unterscheiden könnten.

Die Mitglieder der Kommission sprechen sich zudem für die Einführung einer Fahrradhelmpflicht für Kinder und Jugendliche aus. Außerdem sollen Schulkinder weniger Gewicht mit ihren Ranzen herumtragen. Um das zu erreichen, schlagen die Parlamentarier ein ganzes Maßnahmenbündel vor: So sollen Schulbücher künftig als Taschenbücher und nicht mehr als gebundene Ausgaben bestellt werden.

Darüber hinaus sollen Schüler möglichst viele Lernmaterialien, wie Bücher, Malkästen, oder Sportschuhe in der Schule deponieren können. An die Hersteller appellieren die Abgeordneten, die Ranzen weiter abzuspecken.

Weitere Forderungen sind ein einheitliches europäisches Prüfsiegel für Kinderprodukte und die Berücksichtigung von Kinderbelangen in Bauverordnungen (zum Beispiel durch obligatorische Treppenschutzgitter, Fensterriegel, Rauchmelder).

Ein Augenmerk legen die Parlamentarier auch auf die Kinderärzte: Diese sollen die Eltern bei den Vorsorgeuntersuchungen verstärkt über die alltäglichen Unfallrisiken von Kindern aufklären.

Nach Angaben der Kommission erleiden bundesweit jährlich rund 1,6 Millionen Kinder einen Unfall. 175 000 verunglücken im Straßenverkehr, 961 000 in Schulen und Kindergärten. 464 000 Unfälle ereignen sich in zu Hause und in der Freizeit.

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